Gentech-Information

Ausgewählte versicherungsrelevante Beiträge rund um das Thema Gentechnologie.

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1. Quartal 2005

Kartoffeln gegen Hepatitis

Ein essbarer Impfstoff funktioniert beim Menschen

Mehr als 100 Millionen Menschen sind weltweit mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert, der zu Leberzirrhose und Leberkrebs führt und jedes Jahr ungefähr eine Million Todesfälle verursacht. Seit den Achtzigerjahren gibt es einen wirksamen Impfstoff. Dieser ist jedoch teuer, weswegen sich selbst in den USA noch jedes Jahr 300 000 Personen neu mit Hepatitis B infizieren. Außerdem muss man ihn ständig kühlen, daher kann er in vielen Entwicklungsländern nicht eingesetzt werden.

Aus diesen Gründen wird daran geforscht, mithilfe essbarer Pflanzen billig und an Ort und Stelle nichtverderbliche Impfstoffe zu produzieren.

Nun wurde ein erster bemerkenswerter Studienerfolg bekannt: Eine US-amerikanische Forschergruppe hat berichtet, dass eine Kartoffel, in die ein Gen für ein Bauteil des Hepatitis-B-Virus eingebaut wurde (das gleiche HBs-Antigen, das auch im konventionellen Impfstoff verwendet wird), beim Menschen eine Immunantwort hervorruft. Um sich zu impfen, muss man lediglich einige hundert Gramm rohe, genetisch veränderte Kartoffeln essen; Kochen würde den Impfstoff zerstören. Getestet wurde an 33 gesunden Freiwilligen, die bereits mit dem konventionellen Serum geimpft waren und deren Blut eine niedrige Konzentration von Antikörpern aufwies. 19 Testpersonen produzierten nach dem Verzehr der Kartoffeln vermehrt Antikörper, also wurde der Effekt erzielt, den man mit einer Impfung anstrebt.

Trotzdem muss noch mit zahlreichen Hindernissen gerechnet werden, bis die Methode anwendungsreif ist. Genetisch veränderte Pflanzen zur Impfstoffproduktion sind ein Erfolg versprechendes Konzept, um Infektionskrankheiten zu bekämpfen. Vor allem für die besonders stark betroffenen armen Länder bestehen kaum Alternativen. Daher ist mit weiteren Studien am Menschen zu rechnen, vorerst an kleinen Gruppen. Mittelfristig müssen auch große Studien unter realitätsnahen Bedingungen durchgeführt werden.

Kritische Stimmen betonen bereits die Verwechslungsgefahr mit normalen Lebensmitteln. Die Impfkartoffel ist von einer ganz normalen Kartoffel nur mit molekularbiologischen Methoden (Gentest, Antikörpernachweis) zu unterscheiden. Daher wird auch geforscht, um Pflanzen, die üblicherweise nicht gegessen werden, für die Produktion von Impfstoffen zu benutzen.

Die jetzt vorliegende Studie bestätigt, dass die Impfung mit essbaren Pflanzen prinzipiell machbar ist. Die geringe Ansprechrate (19 von 33) ist kein Gegenargument, da einige Möglichkeiten, welche die Wirkung steigern, noch nicht angewendet wurden.

9. März 2005