Gentech-Information

Ausgewählte versicherungsrelevante Beiträge rund um das Thema Gentechnologie.

Jahr

Suchbegriff(e)

1. Quartal 2005

Neue Therapieansätze bei Herzinfarkten

Auch im Herz gibt es Stammzellen

Herzinfarkte können sehr unterschiedlich verlaufen. Ein entscheidendes prognostisches Kriterium ist die Größe des abgestorbenen Muskelareales. Ganz grob ausgedrückt gilt eine Faustregel: Wenn bei einem Herzinfarkt mehr als 1 Mrd. Herzmuskelzellen zugrunde gehen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient stirbt sehr hoch. Bei leichteren Herzinfarkten überlebt er eher. Die abgestorbenen Herzmuskelzellen werden allerdings nicht adäquat ersetzt, denn reife Herzmuskelzellen teilen sich nicht mehr. An der Stelle des Infarkts bildet sich schlichtes Narbengewebe, das nicht zur Funktion des Herzes beiträgt. Diese Erkenntnisse sind alt und man hat aus ihnen geschlossen, dass sich das Herz grundsätzlich nicht regenerieren kann.

In den letzten Jahren wurde diese alte Lehrmeinung bereits mehrfach infrage gestellt. Im Februar 2005 hat nun ein Forscherteam aus San Diego, Philadelphia und Freiburg zum ersten Mal Zellen im Herz nachweisen können, die sich teilen und zu Herzmuskelzellen reifen können. Diese so genannten Kardioblasten sind die adulten Stammzellen des Herzes und bergen ein enormes Potenzial für die Therapie diverser Herzerkrankungen:

  • Die Kardioblasten finden sich vor allem in den Vorhöfen des Herzes, an einer Stelle, wo es kein größeres Problem ist, Gewebe zu entnehmen. Kardioblasten aus dem entnommenen Vorhofgewebe können dann in Zellkultur herangezüchtet und danach an bestimmte Stellen im Herz, z. B. Infarktnarben, eingepflanzt werden.
  • Alternativ ist vorstellbar, die Kardioblasten durch neuartige Medikamente direkt im kranken Herzen zu stimulieren.

Die Kardioblasten sind als therapeutisches Konzept besonders attraktiv, weil sie noch zwei weitere große Vorteile haben:

  • Im Vergleich zu anderen Stammzelltypen können sie nur zu Herzmuskelzellen reifen. Die Gefahr falscher Gewebsdifferenzierung (z. B. Knochen- oder Tumorbildung im Herz) ist dadurch gebannt.
  • Da die Kardioblasten vom jeweiligen Patienten gewonnen werden, gibt es keine Abstoßungsprobleme wie bei der konventionellen Herzverpflanzung.

Aus diesen Gründen ergibt sich hier ein viel versprechendes Therapiekonzept für alle Herzerkrankungen, bei denen die ursprünglichen Herzzellen ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Es ist davon auszugehen, dass man intensiv in dieser Richtung forschen wird, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Therapie der Herzkrankheiten einen Multi-Milliarden-Markt darstellt. Klinische Versuche am Menschen kann man sich innerhalb der nächsten 5 Jahre durchaus vorstellen.