4. Quartal 2004
Transgene Fische
Weltweit werden pro Jahr etwa 80 Mio. Tonnen Fisch gefangen, weitere 40 Mio. Tonnen werden in Fischzuchten produziert. Dabei ist man bemüht, die Fische an die spezifischen Haltungsbedingungen in Fischzuchten anzupassen: schnelleres Wachstum, bessere Futterverwertung, Krankheitsresistenz. An den bisherigen Zuchtzielen ändert sich durch die Gentechnik wenig. Die Gentechnik beschleunigt die Zuchtarbeit und ermöglicht das Einschleusen von artfremden Genen.
Fische haben gegenüber Säugetieren einige Vorteile bei der gentechnischen Bearbeitung: die Befruchtung der Eier und die Entwicklung der Embryonen findet nämlich nicht im Mutterleib sondern am Gewässergrund statt. Die Eier müssen also nicht aufwändig entnommen, bearbeitet und dann wieder ins Muttertier eingesetzt werden. Außerdem steht eine große Menge an Eiern zur Verfügung; mehrere Experimente können parallel durchgeführt werden. Bisher sind hauptsächlich der atlantische Lachs, die Forelle und der Karpfen gentechnisch verändert worden.
Zuchtziele:
Schnelleres Wachstum und größere Fische durch Übertragung eines Wachstumshormons.Kältetoleranz durch Einschleusen eines "Antifreeze Proteins AFP" der Flunder.KrankheitsresistenzSterilität, um die Auskreuzung in bestehende Wildpopulationen zu verhindern.Leuchtende Zebrafische für Aquarienhalter sind die ersten zugelassenen gentechnisch veränderten Fische. Bisher gibt es außer dem Zebrafisch weltweit keine Zulassungen, obwohl manche Fische bereits Marktreife erlangt haben.
Eine amerikanische Firma (A/F Protein) hat in Kanada (Aqua Bounty Farms) bereits einen marktreifen transgenen Lachs produziert, dem das AFP-Protein übertragen wurde und der gleichzeitig eine Überproduktion des Wachstumshormons zeigt. Er wächst vier bis sechs mal schneller als seine natürlichen Artgenossen. Seit 1999 wartet die Firma auf eine Zulassung des Lachses durch die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA. Doch je länger das Verfahren dauert, desto größer wird der Widerstand. Man befürchtet Umweltrisiken durch Auskreuzung der Gene auf den Wildlachs. Computersimulationen haben einen sog. "Trojanischen Gen-Effekt" gezeigt. Falls ein Gen einerseits die Fortpflanzungsfähigkeit erhöht (größerer Fisch), andererseits aber seine Überlebensfähigkeit beeinträchtigt (beispielsweise langsamer bei der Flucht vor Feinden), kann ein Bestand aussterben. Weitere Bedenken gelten den immer wieder auftretenden Wucherungen und Missbildungen. Nicht zuletzt würde eine weitere Steigerung der Lachsproduktion die Preise noch weiter unter Druck setzen.
Wie bereits erwähnt ist der Zebrafisch der einzige zugelassene gentechnisch veränderte Fisch. Ursprünglich wurden Leuchtfische in Singapur entwickelt, um Umweltverschmutzungen in Gewässern zu ermitteln. Der Fisch hat sich nur dann verfärbt, wenn Giftstoffe im Wasser waren. In Taiwan wurde Mitte 2003 ein fluoreszierender Aquarienfisch — Night Perl — auf den Markt gebracht, der ein Gen einer Qualle enthält. Seit Anfang 2004 gibt es in den USA den sog. GloFish der Firma Yorktown Technologies zu kaufen, der ein Gen der Seekoralle bzw. Anemone enthält und bei Lichteinfall rot leuchtet. Organisationen, Verbände und Interessengruppen haben aber heftig protestiert und sogar die Regierung verklagt, um den Verkauf des GloFish zu stoppen. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.
| Tabelle: Gentechnisch bearbeitete aquatische Spezies (FAO, 2003) |
| Name | Lateinischer Name | Anzahl verwendeter Gentechn. Konstrukte |
| Atlantic Salmon | Salmo Salar | 6 | Atlantischer Lachs |
| Coho Salmon | Oncorhynchus kisutch | 4 | Silberlachs |
| Chinook Salmon | Oncorhynchus tshawytscha | 3 | Königslachs |
| Tilapia | Oreochromis spp. | 12 | Buntbarsch |
| Medaka | Oryzias latipes | 17 | Japan-Reiskärpfling |
| Zebra fish | Brachydanio rerio | 14 | Zebrafisch |
| Common Carp | Cyprinus Carpio | 14 | Karpfen |
| Channel catfish | Ictalurus punctatus | 9 | Getüpfelter Gabelwels |
| African catfish | Clarias gariepinus | 1 | Wels |
| Rainbow trout | Oncorhyncus mykiss | 7 | Regenbogenforelle |
| Cutthroat trout | Oncorhyncus clarki | 1 | |
| Goldfish | Carrassius auratus | 5 | Goldfisch |
| Northern pike | Esox lucius | 2 | Hecht |
| Loach | Misgurnus anguillicaudatus | 2 | Schlammpeitzger |
| Sea bream | Sparus aurata | 2 | Goldbrasse |
| Red sea bream | Pagrus major | 1 | Seebrasse |
| Blunt snout bream | Megalobroma amblycephala | 1 | |
| Nigorobuna | Carrassius auratus grandoculis | 1 | |
| Walleye | Stizostedion vitreum | 1 | Amerikanischer Zander |
| Brine shrimp | Artemia franciscana | 1 | Salinenkrebs |
| Seaweed | Laminaria japonica | 1 | Brauner Seetang |
| Sea Urchin | Strongylocentrotus purpuratus | 1 | Seeigel |
| Abalone | Haliotus rufescens | 1 | Seeohr |