Szenario 1
Präventivmedizin und Krankenversicherung
In den letzten zwei Jahrzehnten haben wir einen deutlichen Erkenntniszuwachs im Verständnis der molekularen Mechanismen von vielen seltenen monogenen Erkrankungen erlebt. Dank der dynamischen Fortschritte im Human-Genom-Projekt wendet sich das Interesse nun vermehrt multifaktoriellen Zivilisationserkrankungen wie Herzinfarkt, Bluthochdruck, Krebs, Alzheimer und Diabetes zu, wobei wir die Wechselwirkungen zwischen genetischen und Umweltfaktoren zunehmend besser verstehen lernen.
Francis Collins, Direktor des nationalen Genomforschungsinstitutes der USA, geht davon aus, dass sich erste Erkenntnisse aus der Human-Genom-Forschung bereits in ca. 15 Jahren in der klinischen Behandlung von Patienten umsetzen lassen werden. Dabei wird sich die Genomforschung vorwiegend auf drei Krankheitsgruppen konzentrieren, die heute den überwiegenden Anteil an Todesursachen stellen, nämlich:
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Herzerkrankungen,
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Krebs
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und neurodegenerative Gehirnerkrankungen (z. B. Alzheimer, Parkinson).
Wie schnell dabei tatsächlich messbare Fortschritte erzielt werden, muss die Zukunft zeigen. Eine Prognose lässt sich aber jetzt schon treffen: Im Gesundheitssystem der Zukunft wird der Präventivmedizin eine entscheidende Rolle zukommen.
Heute noch gängige, eher pauschale Empfehlungen wie Gewichtsabnahme, Nikotinabstinenz oder vermehrte sportliche Betätigung (mit entsprechender Erfolglosigkeit) werden mittelfristig durch ärztliche Ratschläge ersetzt, die auf die individuelle genetische Ausstattung des Patienten abzielen und ihn in die Lage versetzen, wenn nicht schon Krankheiten zu vermeiden, so doch zumindest ihr Entstehen zeitlich hinauszuzögern.
Dieser Gewinn an Gesundheit ist natürlich nicht umsonst zu haben, vielmehr muss - zusätzlich zur augenblicklichen Kostenexplosion im Gesundheitswesen - mit beträchtlichen Aufwendungen für die Präventivmedizin gerechnet werden.
Der (Noch-nicht-)Patient des 21. Jahrhunderts wird also zunehmend mehr Verantwortung für seine Gesundheit übernehmen müssen. Um diese Eigenverantwortung zu stärken und gleichzeitig die Folgen der Kostenexplosion abzuschwächen, wären zukünftig modifizierte Versicherungsprodukte denkbar. Möglich wäre zum Beispiel, dass private Krankenversicherer Versicherungsschutz anbieten, dessen Basisprämie sinkt, wenn der Versicherte regelmäßige Präventivprogramme in Anspruch nimmt und somit langfristig zur Kostensenkung beiträgt.