04.12.2012
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Porträt Dr. Karsten Filzmaier
„Versicherungsmedizin ist eine
globale Angelegenheit“
Dr. Karsten Filzmaier hat als Arzt in unterschiedlichen Ländern und Kulturen gearbeitet. Heute reist der Versicherungsmediziner um die Welt, um Chancen des medizinischen Fortschritts für die Lebensversicherung nutzbar zu machen und um zukünftige Risiken zu identifizieren.
Der medizinische Fortschritt: Herausforderung und Chance zugleich
Der medizinische Fortschritt und die globalen gesellschaftlichen Veränderungen sind die Parameter, die Filzmaier beschäftigen. Und diese Veränderungen finden immer schneller statt. Beispiel HIV: Wer sich in den 1990ern mit dem HI-Virus infizierte, hatte eine sehr ungünstige Prognose. Durch moderne Medikamente hat ein heute 25-jähriger HIV-Positiver eine reelle Chance, seinen 60. Geburtstag zu feiern. Dank eines Risikomodells des Centre of Competence können heutzutage HIV-positive Menschen unter bestimmten Voraussetzungen eine Lebensversicherung abschließen. Auch bei Volkskrankheiten muss das Angebot der Lebensversicherer kontinuierlich an den medizinischen Fortschritt angepasst werden. So ist es auch Filzmaier zu verdanken, dass alle Menschen von Japan bis nach Chile mit einer Verkalkung der Herzkranzgefäße bei stabilem Verlauf eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können.
Globalisierung findet auch bei Erkrankungen statt
„Gefäßverkalkung und Diabetes sind nicht nur in den westlichen Industrienationen weit verbreitet“, so Filzmaier. „Im Jahr 2030 werden die meisten Diabetiker in China und Indien leben“. Resultierende Komplikationen wie Herzinfarkt, Blindheit oder Amputationen fordern die Lebensversicherer heraus, bieten aber auch Potenzial für neue Lösungen. Für einen israelischen Zedenten entwickelte das Centre of Competence vor wenigen Jahren die Grundlagen für einen Versicherungsschutz speziell für Diabetiker. Dieser tritt ein, wenn der Versicherte eine durch Diabetes verursachte Komplikation wie Blindheit oder Amputation erleidet. 2012 wurde das Produkt in Korea eingeführt. „Umgekehrt führen wir gerade eine Produktinnovation in Israel ein, an der wir im letzten Jahr in Hongkong beteiligt waren. Globale Herausforderungen identifizieren, das Wissen und die Erfahrung hierzu vernetzen, um unseren Kunden schnell und effizient lokale Lösungen anzubieten. Dieses Können weiter auszubauen und zu stärken ist mein Ziel“. Zu diesem Zweck ist Filzmaier in ganz Europa, Südafrika, Korea, China, Hongkong und Indien unterwegs. Der persönliche Austausch mit den Kunden und den weltweit tätigen Experten von Munich Re ist essentiell.
Sich ein Bild von den Menschen machen
„Das klingt vielleicht banal, aber: ich mag Menschen und interessiere mich für sie“. Filzmaier konnte sein Medizinstudium perfekt mit seiner Begeisterung für die Fotografie und das Reisen verbinden. „Als Arzt kann man überall auf der Welt arbeiten und nirgendwo lernt man ein Land und deren Menschen besser kennen als im Krankenhaus“. Filzmaier geht ein halbes Jahr nach Indien – ein Land der Gegensätze, dass ihn nicht mehr loslässt. Es folgen Tel Aviv und Jerusalem. Filzmaier wird unmittelbar mit dem Nahost-Konflikt konfrontiert – und auch mit der eigenen deutschen Vergangenheit. In London taucht Filzmaier in die Kulturszene ein, begeistert sich für die Fotografie, für elektronische Musik und Jazz und stöbert durch die Plattenläden der Stadt. Danach ist er zwar pleite, aber um einige Erlebnisse und seltene Scheiben reicher.
Der Wechsel zur Munich Re
Internationalität ist auch einer der Beweggründe, 2007 den Arztkittel gegen den Anzug zu tauschen. Die Themenvielfalt, die Möglichkeit kreativ zu sein, Vorträge zu halten und Artikel zu schreiben faszinieren Filzmaier nach wie vor. Und das alles innerhalb eines internationalen und kompetenten Teams, das mit größtem Engagement zusammenarbeitet: „Munich Re ist anders als die medizinische Monokultur im Krankenhaus. Wo sonst kann man innerhalb einer Woche mit einem schwäbischen Bauingenieur, einem pakistanischen Strukturalgebraiker und einer kolumbianischen Epidemiologin zu Mittag essen? Das ist etwas Einmaliges, und das genieße ich hier sehr“.
Herausforderung „Seltene Erkrankungen“
In Filzmaiers buntem Arbeitsspektrum finden sich auch überraschende Themen. Zum Beispiel die sogenannten Seltenen Erkrankungen. „Das klingt erst mal nicht so, als wäre das von Geschäftsrelevanz, denn seltene Erkrankungen sind erst einmal genau eines: selten“. Es gibt allerdings eine große Anzahl Seltener Erkrankungen und jede Woche werden 5 neue Krankheiten wissenschaftlich beschrieben. Man geht davon aus, dass in der Europäischen Union um die 30 Millionen Menschen mit einer Seltenen Erkrankung leben. Auch wenn eine Erkrankung selten ist, muss die Einschätzung der Versicherbarkeit auf verfügbaren wissenschaftlichen Statistiken und medizinischem Wissen beruhen. Die Versicherungsmediziner bei Munich Re bearbeiten jährlich Tausende dieser Fälle für ihre Kunden weltweit und schaffen so individuelle Underwriting-Lösungen. „Dieses hochspezialisierte Risikomanagement ermöglicht immer wieder auch hochsummige fakultative Geschäftsabschlüsse – sehr zur Freude unserer Kunden“. Und natürlich ist dieser Service auch wichtig für das Image des Kunden, zum Beispiel zur Minimierung des Reputationsrisikos.
Beruf Radfahrer?
Karsten Filzmaier muss nun los. Sein Sohn hat heute Geburtstag. Zurück geht es wieder auf dem Rennrad – insgesamt rund 40 km kommen so am Tag zusammen. „Meine Kinder denken, ich bin von Beruf Radfahrer, da ich morgens auf dem Rad losfahre und abends ebenso wiederkomme. Mir ist das ganz recht. Denn, wie sollte ich einer 2- und einem 4-Jährigen Rückversicherung erklären?“