Das Magazin für Versicherer

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05/2012
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» 02/2013

Naturkatastrophen: Hurrikan Sandy an der Ostküste der USA / Life: Risikoprüfung im Wohnzimmer / Porträt Tom Van den Brulle: „Groß sein, heißt nicht automatisch auch gut sein“ / Marine: Kumulrisiken geschickt umschiffen / Risikomanagement: Schwellenländer leiden unter Versicherungslücke bei Naturkatastrophen / Stimmen Sie ab! Risiken der Eurokrise

» 01/2013

Raumfahrt: Lösungen für eine aufstrebende Branche / Produkthaftpflicht: Halten Implantate ihr Versprechen? / Porträt Ashok Prayag: Afrika im Aufwind / NATHAN Risk Suite 2013: Alle Risiken im Blick / Stimmen Sie ab! Was bewegt die Versicherungswirtschaft im Jahr 2013?

» 06/2012

Engineering: Energie aus der Quelle des Nils / Porträt Karsten Filzmaier: „Versicherungsmedizin ist eine globale Angelegenheit“ / Airbus A380: Knapp an der Katastrophe vorbei / Solarthermie: Die Kraft der Sonne nutzen / Column Michael Menhart: Die US-Wahlen und ihre Folgen – eine europäische Sicht / Stimmen Sie ab! Stromausfälle

» 05/2012

Piraterie: Die Gewalt auf See eskaliert / Neurowissenschaften: Tiefe Einblicke / Porträt: Iris Urban / Life: Top-Athleten – Top-Risiken? / Marine: Havarie im Naturschutzgebiet / Stimmen Sie ab! Unisex-Tarife - Was halten Sie davon?

» 04/2012

Olympia 2012: „Große Träume und hartes Training“ / Naturgefahren: 20 Jahre Hurrikan Andrew / Kolumne: Plan B für die Energiewende / NATHAN Risk Suite: Geointelligenz mit neuen Möglichkeiten / Stimmen Sie ab! Werden Ballungsräume zum Versicherungsalptraum?

» 03/2012

Olympia 2012: „Wir sind gut vorbereitet“ / Porträt: Ike Hyun Kim / Munich Health: Diagnose „Falsche Abrechnung“ / Engineering: Lösungen für ambitionierte Großprojekte / Umfrage: Cyber-Risiken

» 02/2012

Konzepte für den Sonnenstrom / 100 Jahre Titanic / Pedelecs und E-Bikes / Porträt Doris Höpke / Der Geldregen der EZB / Diagnose „Falsche Abrechnung“ / Umfrage: Risiko Lieferketten

» 01/2012

Wie entsteht ein Wintersturm? / Porträt Mary Forrest / Automated Underwriting / Expertenrunde Erdbeben / „discrepancy“ von Roxy Paine / Umfrage: Erdbebenrisiken

» 06/2011

Wenn Ärzte Fehler machen / Plan B für den Klimaschutz / Hochwassermanagement am Mississippi / Georisiken Türkei / Umfrage: Solvency II

» 05/2011

Projekt Nord Stream / Porträt Edwin Mast / Diversifikation – Fels in der Brandung / ALPHA – der ALM-Service / Gesunder Lachs / Umfrage: Klimaschutz

» 04/2011

Kfz-Direktversicherung in Südostasien / Komplexe Feuerrisiken / World Trade Center / Risiko Sporttauchen / Großschaden im Wasserkraft- werk / Umfrage: Elektromobilität

» 03/2011

Veraltete Infrastruktur / Wie entsteht ein Hurrikan? / Porträt John Wilkinson / Medical Consultants bei Munich Re / Geistiges Eigentum

» 02/2011

Nordstream - Vostellung Joachim Wiechers / Transportversicherung / Arabische Welt im Umbruch / Garantieversicherung / Interview mit Dr. Ludger Arnoldussen

» 01/2011

Vermögensschaden Großinsolvenzen / Konsequentes Versorgungsmanagement / Porträt Pina Albo / Kunstdiebstahl / 2010 – ein Jahr der Erdbeben

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Piraterie

Die Gewalt auf See eskaliert

Neurowissenschaften

Neue Diagnose- und Behandlungsmethoden werden sich auf die Versicherer auswirken.

Porträt Iris Urban

Brücken bauen in Tokio

Top-Athleten – Top Risiken?

Welche Risiken birgt ein Leben an der körperlichen Leistungsgrenze?

Havarie im Naturschutzgebiet

Wieder ab vom Kurs: die Havarie des Öltankers „Rena“ vor der Küste Neuseelands.

Stimmen Sie ab!

Unisex-Tarife - Was halten Sie davon?


Neurowissenschaften

Tiefe Einblicke

Die Hirnforschung steht am Übergang von der Grundlagenforschung zur praktisch-medizinischen Anwendungen. Welches Risikoexposure kommt auf die Versicherer zu?

Roboter betreuen Pflegebedürftige, Medikamente erhöhen die Denkleistung, Hightech-Messgeräte lesen Gedanken – ist das wirklich bald Realität? Unbestritten ist, dass die massive Zunahme von neurologischen und psychiatrischen Krankheiten in einer alternden Gesellschaft oder die zunehmende Nutzung von Psychopharmaka im Alltag Herausforderungen mit sich bringen, die auch die Assekuranz betreffen. Die Fortschritte in den Neurowissenschaften sowie in der Hirnforschung beeinflussen diese Trends: So könnte eine frühere Entdeckung von Demenzerkrankungen die Schadenlast bei Pflegefallversicherungen erhöhen, eine effizientere Behandlungen von Schlaganfällen mit besseren Rehabilitationsmöglichkeiten würde sich auf die Kranken- und Invaliditätsversicherung auswirken. Darüberhinaus wirft ein verstärktes „Doping am Arbeitsplatz“ durch Psychopharmaka neue Haftungsfragen auf. Im Sinne des „early warning“ müssen sich die Versicherer darauf vorbereiten.

Munich Re beobachtet Trends in der Medizin daher ebenso wie die Fortschritte der Grundlagenforschung genau und steht in engem Kontakt mit Wissenschaftlern. Wie mit Professor John-Dylan Haynes vom Bernstein Center for Computational Neuroscience von der Charité in Berlin, der sich intensiv mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) befasst. Sie ist eine Weiterentwicklung der strukturellen MRT und misst Veränderungen der Durchblutung in den verschiedenen Hirnregionen. Das Verfahren erlaubt es, funktionelle Abläufe im Gehirn in Form von Schnittbilderserien darzustellen und hat das Potenzial, Diagnostik, Prognose und Behandlung von Krankheiten des zentralen Nervensystems zu verbessern.

Erkenntnisgewinne bei bildgebenden Verfahren

Trotz aller technischer Fortschritte bei der Darstellung von Gehirnstrukturen steckt die Nutzung zu Diagnosezwecken noch in den Anfängen. Die fMRT wird auch in naher Zukunft keine klinische Routine werden. Zum einen sind bei einigen Krankheiten wie der Multiplen Sklerose charakteristische Aktivitätsmuster im Gehirn nicht immer eindeutig zu erkennen. Zum anderen fehlen groß angelegte Studien, um kontroll- und behandlungsbedürftige Zufallsbefunde bei der fMRT auszuschließen. Dagegen sind mittelfristig vor allem im Bereich der automatisierten Diagnostik Fortschritte zu erwarten, indem das geschulte Auge des Radiologen bei der Beurteilung von digitalisierten Schnittbildern durch eine Computerauswertung ergänzt wird. Allerdings müssen dazu erst umfangreiche Datenbanken und noch zu entwickelnde Prädiktionsalgorithmen für die verschiedenen Hirnerkrankungen erstellt werden.

Möchte man chronische Schmerzen über die Gehirnaktivitätsmessung beurteilen, stellt sich ein weiteres Problem: Die Vorstellungskraft allein reicht aus, um die gleiche Gehirnaktivität zu erzeugen wie bei einem echten Erlebnis. Auch psychische Modediagnosen wie Burnout können sich allein durch Autosuggestion manifestieren. Bisher gibt es noch keine Studien, die zu dieser Fragestellung fMRT-Daten erhoben haben.

Könnte die Hirnforschung Großkatastrophen verhindern?

Interessant ist für Versicherer sicherlich der Zusammenhang zwischen Hochtechnologie und menschlichem Verhalten, denn zahlreiche Großkatastrophen werden durch menschliches Versagen hervorgerufen. Die Gründe dafür sind vielfältig: etwa sinkende Aufmerksamkeit, mangelndes Systemverständnis, Handlungsfehler, die menschliche Neigung zu Übersteuerung. Doch was im Gehirn passiert, wenn Menschen Kontroll- und Schalteinrichtungen an großtechnischen Anlagen überwachen, ist so komplex, dass es dafür keine spezifische Hirnsignatur gibt, die man mit einem fMRT messen könnte.

Die Neurowissenschaften können mit ihren Forschungsergebnissen hier eher dazu beitragen, die Abläufe im Gehirn besser zu verstehen, um dann beispielsweise die Arbeitsumgebung so zu optimieren, dass die Aufmerksamkeit gar nicht erst abnimmt.

Bewusstseinsveränderungen durch Neuroenhancer schaffen neue Risiken

Bedeutsam könnte für Versicherer das Thema Neuroenhancer werden. Diese Powerpillen für das Gehirn wurden eigentlich für die Therapie verschiedener psychischer und neurologischer Erkrankungen entwickelt. Sie werden allerdings zunehmend auch von Gesunden eingenommen, um die Hirnleistung zu verbessern, die Aufmerksamkeit zu steigern oder die Stimmung aufzuhellen. Welche Nebenwirkungen beim langfristigen Gebrauch auftreten, ist bisher unklar. Da künftig zahlreiche neue Substanzen auf den Markt kommen dürften, besteht ein Risikopotenzial für die Produkthaftpflicht-Versicherung aufgrund von Haftungsfragen wegen Bewusstseinsveränderungen.

Neuroprothesen verbinden Chips mit dem Nervensystem

Neuroprothesen arbeiten an Schnittstellen zwischen Nervensystem und elektronischen Bauteilen. Meist handelt es sich um Elektroden, die Impulse aus dem Nervengewebe zu einem Chip weiterleiten, um ausgefallene Hirnregionen, beispielsweise nach einem Schlaganfall, wieder herzustellen. Eine in der Medizin erfolgreich angewendete sensorische Neuroprothese ist das sogenannte Cochlea-Implantat, das taube Menschen wieder hören lässt. Motorische Neuroprothesen wurden bisher nur in Tierversuchen eingesetzt. Sie könnten einst Personen mit Lähmungen helfen, bestimmte Bewegungsabläufe wieder zu erlernen. Für die Assekuranz werden sich hier vor allem Konsequenzen im Bereich der Produkthaftpflicht und der Krankenversicherungen ergeben.

Dr. Achim Regenauer

Unser Experte

Dr. Achim Regenauer ist Chief Medical Director bei Munich Re und zuständig für Medical Consulting, Trend Research.
» aregenauer@munichre.com

Was haben wir zu erwarten?

Die neuesten Erkenntnisse aus der Hirnforschung beeinflussen die Versicherungswelt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nachhaltig. Doch sobald die Innovationen aus dem Stadium der Grundlagenforschung herauskommen und in die praktische medizinische Anwendung gelangen, werden sie auch für uns relevant. Erste Auswirkungen sind am ehesten im Non-Life-Bereich und dort insbesondere bei der Produkt- und Rückrufhaftpflicht für Hightech-Medizingeräte zu erwarten. In der Kranken- und Pflegeversicherung dürfte mittelfristig eine Risikoexponierung bestehen, wenn sich degenerative Krankheitsbilder wie Parkinson, Demenz und Schlaganfall früher erkennen und wirksamer behandeln lassen. Jedoch wird in den nächsten zehn Jahren für Life wohl keine Exponierung auftreten, sieht man von der Zunahme von Zufallsbefunden ab, die durch die Untersuchung des Gehirns mittels Kernspintomographien entstehen. Langfristig dürften die Fortschritte in Diagnose und Therapie von neurodegenerativen Erkrankungen eine erweiterte Versicherbarkeit mit sich bringen.

Eine ausführliche Fassung dieses Artikels mit zahlreichen Hintergrundinformationen lesen Sie in der aktuellen Ausgabe unseres Topics Magazin.

Links

Bernstein Center for Computational Neuroscience Berlin, BCCN
» www.bccn-berlin.de

Berlin Center for Advanced Neuroimaging, BCAN
» www.berlin-can.de


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