30. Mai 2000
Referat des Vorstandsvorsitzenden
Bilanzpressekonferenz am 30. Mai 2000
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
zu unserer diesjährigen Bilanzpressekonferenz heiße ich Sie ebenfalls herzlich willkommen. Wir haben Sie als Vertreter in- und ausländischer Medien in den letzten Monaten häufig angesprochen. Es ging dabei um Themen wie die Umstellung unseres Rechenwerks auf die International Accounting Standards; die Erhöhung der Dividende mit einer Verdoppelung der Dividendensumme; die Naturkatastrophen des Jahres 1999; die Übernahme neuer Beteiligungen via Alte Leipziger Europa. Weiter ging es um die Absicht, Beteiligungen an gemeinsamen Gesellschaften von Münchener Rück und Allianz umzuschichten, sowie um das Vorhaben, die gegenseitigen Beteiligungen von Münchener Rück und Allianz von 25 % auf rund 20 % zu reduzieren. Schließlich ging es um den Exchangeable Bond, mit dem ein Teil dieser Reduzierung auf den Weg gebracht ist; wie ich gestern Abend erfuhr, hat die renommierte amerikanische Rating-Agentur A.M. Best anlässlich der Bond-Emission übrigens unser Top-Rating bestätigt und dem Bond ebenfalls die Spitzennote gegeben. Heute möchte ich zudem die Ziele der Münchener-Rück-Gruppe erläutern und — aus aktuellem Anlass — das Infektionsrisiko unserer heutigen Informationsgesellschaft ansprechen, mit anderen Worten: Viren im Internet. Damit sind wesentliche Themen der heutigen Bilanzpressekonferenz erwähnt, und ich komme als Erstes zu den IAS.
Mit der Umstellung auf die IAS im vorliegenden Konzernabschluss ändert sich einiges grundlegend:
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Gliederung und Bewertung der Posten in der Bilanz und in der Gewinn- und Verlustrechnung entsprechen nicht mehr den Regeln des HGB, also unseres Sitzlandes, sondern internationalen Grundsätzen. Vor allem ausländische Anleger und Analysten werden unseren Abschluss besser verstehen. Das ist wichtig, denn mehr als 20 % unseres Aktienkapitals befinden sich in ausländischen Portefeuilles. Eine markante Veränderung ist der Wegfall der Schwankungsrückstellung. Er bewirkt, dass die Ergebnisausweise von Jahr zu Jahr stärker schwanken werden als bisher.
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Einen großen Teil der Kapitalanlagen setzen wir jetzt mit Zeitwerten an. Folglich zeigen wir das Eigenkapital, eine im Wettbewerb ganz maßgebliche Kennzahl, zutreffender und aktueller, als es uns bisher nach deutschem Bilanzrecht möglich war. In unserem IAS-Abschluss erscheint das Eigenkapital deutlich höher als früher. Dies demonstriert unseren Geschäftspartnern besser als bisher die Solvenz und Leistungsfähigkeit der Münchener-Rück-Gruppe.
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In Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechung teilen wir die einzelnen Posten auf unsere drei Kerngeschäftsfelder auf. Diese so genannte Segmentberichterstattung umfasst die Rückversicherung und die Erstversicherung, wobei wir weiter differenzieren nach Lebens- und Krankenversicherung einerseits sowie Schaden-/ Unfallversicherung andererseits. Hinzu kommt als weiteres Kerngeschäftsfeld das Asset-Management, das wir zur Zeit aufbauen.
Zunächst zum Geschäftsjahr 1999 auf IAS-Basis:
1999 war für die internationale Rückversicherung und für uns ein rabenschwarzes Jahr. Es war in diesem Geschäftsfeld unser schlechtestes Jahr seit Gründung der Münchener Rück im Jahr 1880. Trotz guter Ergebnisse der Erstversicherer sank deshalb das Konzernergebnis vor Steuern, Abschreibungen auf Firmenwerte und Minderheitsanteilen auf 1,82 Milliarden Euro.
Andererseits halbierte sich der Steueraufwand und ging auf 383 Millionen Euro zurück, vor allem weil der Körperschaftsteuersatz in Deutschland von 45 auf 40 % zurückgenommen wurde. Deshalb, aber nicht zuletzt auch weil sich unsere Erstversicherungsgruppe weiterhin sehr gut entwickelte, liegt der Konzerngewinn mit 1,133 Milliarden Euro nur wenig unter dem des Vorjahres. Das Ergebnis je Aktie beträgt 6,45 Euro nach 7,11 Euro im Vorjahr; 1,70 Euro entfallen auf die erwähnte Senkung des Körperschaftsteuersatzes.
In der Rückversicherung stiegen unsere Beiträge — vor allem währungsbedingt — um 8,6 % auf 15,4 Milliarden Euro. Wir haben einen Weltmarktanteil von 10 %. In Leben konnten wir den Gewinn gegenüber dem Vorjahr noch einmal merklich verbessern, in Kranken den Verlust des Vorjahres sehr deutlich reduzieren. Zum Wachstum in der Schaden- und Unfallversicherung von insgesamt 4,4 % trugen vor allem das Plus in Unfall und in Haftpflicht bei. Beide Versicherungszweige hatten allerdings Verluste zu verzeichnen: Unfall wegen erheblicher Schäden aus dem norwegischen Arbeiterunfallgeschäft, Haftpflicht hauptsächlich wegen des schlechten Geschäftsverlaufs unserer US-Tochter American Re. In Kraftfahrt schlug in erster Linie die Situation auf dem deutschen Markt auf unser Geschäft durch: Steigenden Schadenbelastungen standen erneut sinkende Durchschnittsprämien gegenüber. Mit Abstand am markantesten in unserem Non-Life-Rückversicherungsgeschäft war 1999 aber die Schadenlast aus Naturkatastrophen. Sie kosteten uns mit über 1,1 Milliarden Euro mehr als dreimal so viel wie im Vorjahr. Die Combined Ratio für das Nichtlebens-Rückversicherungsgeschäft verschlechterte sich vor allem deswegen um 13,2 Prozent-Punkte auf 118,9 %. Auf Naturkatastrophen entfielen hiervon 10,7 Prozent-Punkte, mehr als dreimal so viel wie im Durchschnitt der letzten 10 Jahre.
Wie teilt sich unser Umsatz nach Regionen auf?
Bemerkenswert ist der Anstieg des Umsatzes um 23 % in Nordamerika: Rund 5 Prozentpunkte davon sind währungsbedingt, weitere 13 Prozentpunkte trug die American Re bei. Dieses Wachstum erklärt sich einerseits aus dem planmäßigen Ausbau des Geschäfts, zum Beispiel in der Krankenversicherung oder im Brokergeschäft; andererseits erhielt die American Re 1999 aufgrund schlechten Geschäftsverlaufs erhebliche Nachverrechungsbeiträge von ihren Kunden.
Nun zur Erstversicherung in der Münchener-Rück-Gruppe:
Für unsere Erstversicherer — ERGO, Karlsruher und Europäische — war 1999 ein erfolgreiches Jahr: Der Umsatz stieg um 6,5 % auf 13,5 Milliarden Euro — das ist unverändert Rang Nummer zwei auf dem deutschen Markt.
Die Lebensversicherer der Gruppe erreichten hervorragende Zuwachsraten beim Neugeschäft — es nahm bei der ERGO um über 45 % zu, bei der Karlsruher um mehr als 60 %. Ihre Beiträge erhöhten sich um 9,8 % auf 6,2 Milliarden Euro.
In der Krankenversicherung konnte die DKV ihre Position als Marktführer in Deutschland und in Europa mit einem Beitragsplus von 3,1 % auf 3,6 Milliarden Euro festigen.
Unseren Schaden- und Unfallversicherern, zu denen mit der D.A.S. auch der Marktführer auf dem deutschen und auf dem europäischen Rechtsschutzversicherungsmarkt gehört, gelang es erneut, die Beiträge zu steigern — und zwar um insgesamt 4,7 % -, während der deutsche Markt wieder einen Umsatzrückgang hinnehmen musste.
Beim versicherungstechnischen Ergebnis profitierten wir auch 1999 von der günstigen Zusammensetzung unseres Privatkunden-Portefeuilles. Der Anteil der Kraftfahrt- und der Feuerversicherung liegt deutlich unter dem Marktdurchschnitt; wir waren daher von dem anhaltenden Preiswettbewerb weniger betroffen als andere. Gleiches gilt für die Zunahme der Schäden in der Kraftfahrtversicherung.
Bei unseren Kapitalanlagen sind wir auch 1999 mit unserer substanzwertorientierten Anlagepolitik gut gefahren. Im Berichtsjahr wuchsen sie um 10,9 % auf 151 Milliarden Euro. Das Ergebnis aus Kapitalanlagen betrug 9,5 Milliarden Euro; das sind 12,5 % mehr als im Vorjahr. In diesem Ergebnis sind Gewinne aus dem Abgang von Kapitalanlagen mit 1,7 Milliarden Euro enthalten; im Vorjahr waren es 1,6 Milliarden Euro.
Die Münchener-Rück-AG konnte trotz der widrigen Umstände im Rückversicherungsgeschäft ihren Jahresüberschuss auf 328 Millionen Euro verdoppeln; davon wurden 160 Millionen Euro in die Gewinnrücklagen eingestellt. Die Dividende soll nach dem Gewinnverwendungsvorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat von 0,92 auf 0,95 Euro angehoben werden; die Aktionäre erhalten demzufolge und wegen des Aktiensplits 1:2 im Januar 1999 mehr als doppelt so viel ausgeschüttet wie beim letzten Mal. In den letzten 7 Jahren haben wir dann die Dividendensumme annähernd vervierfacht.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich komme nun zu unseren Zielen und unseren Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr.
Wir haben uns für die nächsten Jahre eine ganze Menge vorgenommen:
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Wir wollen unsere Marktstellung als weltweit führender Rückversicherer ausbauen und auf allen wichtigen Märkten die erste oder zumindest die zweite Position einnehmen.
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In der Erstversicherung möchten wir, dass die ERGO in Europa zu den bedeutenden Gruppen im Privatkundengeschäft aufschließt.
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Unser neues Tochterunternehmen MEAG soll sich zu einer der besten Asset-Management-Gesellschaften entwickeln.
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Wir wollen den Gewinn nach Steuern jährlich um mindestens 10 % steigern und damit eine wachsende marktkonforme Eigenkapitalrendite erwirtschaften.
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Der Kurs unserer Aktie soll sich nachhaltig besser entwickeln als der DAX.
Dies ist ein ehrgeiziges Programm. Was bedeutet es für unsere Kerngeschäftsfelder im Einzelnen?
Die Rückversicherung ist und bleibt attraktiv. Unsere Kunden und die von ihnen nachgefragten Produkte ändern sich, einzelne Rückversicherungsformen verlieren an Bedeutung, aber neue Kunden und neue Produkte kommen hinzu und ermöglichen auch künftig gutes Wachstum. Unsere Auslandsorganisation mit Außenstellen an derzeit 60 Orten rund um den Globus und wir hier in München sind bereit: Wir wollen
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in Leben zum führenden Rückversicherer werden und
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in Nichtleben — wo wir seit Jahrzehnten führend sind — unsere Position weiter stärken.
Wir prüfen — nicht nur hier — konkrete Akquisitionsmöglichkeiten und nutzen die Geschäftschancen, die sich auf den Märkten bei Demutualisierungen und aus Fusionen ergeben; im Einzelfall übernehmen wir auch große Rückversicherungsportefeuilles, wenn Preise und Bedingungen in Ordnung sind.
Besondere Aufmerksamkeit schenken wir den künftigen Wachstumsmärkten China, Indien, Lateinamerika sowie ausgewählten Ländern in Osteuropa und Südostasien. Erst kürzlich haben wir in Chile eine neue Einheit für unser Lebensrückversicherungs-Geschäft aufgebaut und bei unserem Personal in Hongkong und Singapur deutlich angebaut.
In der Nichtlebensrückversicherung wollen wir unsere Position als weltweiter Marktführer weiter verstärken und vor allem unsere Stellung auf den Kernmärkten Nordamerikas und Europas sowie in Japan festigen und ausbauen.
In den USA ist die Nummer eins unser Ziel, jedenfalls mittelfristig, denn angesichts der zurzeit völlig unbefriedigenden Markt- und Schadensituation konzentrieren wir unsere Anstrengungen zunächst darauf, Preise und Bedingungen wieder auf ein angemessenes Niveau anzuheben. Wir nehmen deshalb sogar in Kauf, vorübergehend Marktanteile zu verlieren. So hat die American Re für das Jahr 2000 Geschäft mit einem Volumen von mehr als 500 Millionen US$ nicht erneuert.
Auch im Nichtlebensgeschäft setzen wir auf die Emerging Markets. Vor drei Jahren haben wir in China Repräsentanzen in Peking und Schanghai eröffnet; in diesem Jahr haben wir uns in Bombay mit einer Niederlassung etabliert. Wir sind also überall, wo sich etwas tut, dicht am Ball und haben in den letzten Monaten einiges in Gang gesetzt, um weiterhin erfolgreich zu sein. Drei Stichworte hierzu:
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Unsere Casualty Special Risk Unit unterstützt unsere Kunden u. a. bei der Behandlung von Haftpflichtschäden im Zusammenhang mit Mergers & Acquisitions.
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In Kredit wollen wir die Exportkreditversicherung einschließlich des "short-term political risk" verstärkt ausbauen. Hierüber haben wir Sie im November letzten Jahres in einer separaten Pressekonferenz informiert.
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Und wir haben eine so genannte "Maklerinitiative" gestartet, um auch über diesen Weg an wünschenswertes Geschäft zu kommen.
Besonderes Wachstums- und Ertragspotenzial sehen wir unverändert in der Finanzrückversicherung und auf den alternativen Märkten, auch wenn uns einige Finanzrückversicherungsverträge im Berichtsjahr hohe Schäden beschert haben.
Meine Damen und Herren, zur Situation auf vielen Rückversicherungsmärkten lautet unser "ceterum censeo", auch in unserem Geschäftsbericht: Preise und Bedingungen sind unzureichend. Wir arbeiten intensiv daran, das Geschäft wieder profitabel zu machen. Jede Kundenverbindung wird kritisch auf den Prüfstand gestellt und nach ihrem dauerhaften künftigen Beitrag zu unserem Geschäftserfolg beurteilt. Von Geschäft, das mittelfristig unseren Renditeansprüchen nicht gerecht wird, werden wir uns trennen.
Damit, meine Damen und Herren, zur Erstversicherung.
Es ist unser Ziel, die ERGO in Europa — aufbauend auf dem starken Heimatmarkt Deutschland — zu einer der führenden Erstversicherungsgruppen im Privatkundengeschäft zu entwickeln. Wir streben an, auf ausgewählten Wachstumsmärkten zu den ersten fünf zu gehören. Mittelfristig wollen wir den Auslandsanteil von derzeit 10 % signifikant steigern.
Aber auch in Deutschland wollen wir weiter wachsen und den Marktanteil auf über 10 % steigern. Dementsprechend ist ein Gesamtwachstum zwischen 2 und 6 % das Ziel — bei einem Wachstum über dem Marktdurchschnitt in allen Segmenten.
Was tun wir, um diese Ziele zu erreichen?
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Wir wollen die Expansion ins europäische Ausland durch gezielte Akquisitionen auf volumen- und wachstumsstarken Märkten fortsetzen. Unsere Entschlossenheit, solche Chancen zu nutzen, haben wir mit der Übernahme der Aktivitäten der Alten Leipziger Europa gezeigt. Es ist vorgesehen, die neuen Tochterunternehmen zum Sprungbrett für die weitere Expansion der ERGO-Gruppe in Mittel- und Osteuropa zu machen.
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Wir werden den Vertrieb stärken und die gegenseitige Nutzung der Vertriebskanäle und der Kundenbasis verbessern.
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Wachstums-, Ertrags- und Kostensynergien, wo immer sie bestehen, sollen entschlossen realisiert werden. MEAG und ITERGO auf dem EDV-Sektor sind hierfür zwei aktuelle Beispiele.
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Wir werden die Entwicklung neuer E-Commerce-Vertriebsformen und Geschäftsmodelle vorantreiben. Die ERGO hat mit ihrem Joint Venture mit der Telekom hier eine Vorreiterrolle übernommen.
Und damit zu unserem jüngsten Geschäftsfeld — dem Asset-Management.
Die Verantwortung für das operative Management des größten Teils der Kapitalanlagen des Konzerns liegt seit einigen Wochen bei der MEAG MUNICH ERGO AssetManangement GmbH. Im Rahmen strategischer Vorgaben verwaltet die MEAG neben den Aktien- und Rentenbeständen insbesondere auch den umfangreichen Immobilienbesitz der Münchener Rück und der ERGO-Gesellschaften. Ein Schwerpunkt der Aufgaben wird in den nächsten Monaten darin bestehen, effiziente Abläufe und Systeme im Middle Office und im Backoffice einzurichten bzw. weiterzuentwickeln. Die Stichworte dazu lauten "Risk-Management", "Risk-Reporting" und "Bestandsführung nach IAS und HGB". Die Überschrift heißt Synergie in der Münchener-Rück-Gruppe.
Die MEAG verwaltet vom Start weg ein Vermögen von mehr als 125 Milliarden Euro. Die Zielmarke für die nächsten drei bis fünf Jahre ist gesteckt: 200 Milliarden Euro Assets under Management.
Nun zum E-Business: Was macht die Münchener-Rück-Gruppe?
Unsere erheblichen Anstrengungen zum Ausbau unserer E-Business-Aktivitäten sollen den geschäftlichen Erfolg unserer Gruppe absichern und weiterentwickeln. Als Voraussetzung hierfür haben wir ein Kompetenzzentrum eingerichtet, das unsere Aktivitäten in diesem Bereich gruppenweit koordinieren und vorantreiben wird. Dabei wollen wir E-Commerce nicht nur bei traditionellen Geschäftsmodellen nutzen, also zum individuellen Ausbau der Kundenpartnerschaft und zur Unterstützung unseres originären Rückversicherungsgeschäfts. Wir wollen dieses Instrument vielmehr auch für die Entwicklung innovativer Serviceleistungen und Produkte einsetzen, also auf E-Business beruhende neue Geschäftsmodelle mit unseren Kunden gestalten.
Nach unserer Einschätzung konzentriert sich die Dynamik des E-Business-Geschehens derzeit allerdings weniger auf die Rückversicherungs- als auf die Erstversicherungsmärkte. Im Rückversicherungsbereich werden erst allmählich die Strukturen und die Bedürfnisse der E-Business-Nutzer sichtbar. Uns kommt es auch hier nicht auf einen raschen PR-Effekt an, sondern auf nachhaltigen finanziellen Erfolg. Der wird hier allerdings wohl noch längere Zeit auf sich warten lassen.
Im E-Business auf der Erstversicherungsebene ist die Münchener-Rück-Gruppe über die ERGO ausgezeichnet positioniert. Ich verweise nur auf das noch junge Gemeinschaftsvorhaben der ERGO mit dem Marktführer Deutsche Telekom, das darauf abzielt, in den T-Online-Portalen einen innovativen Finanzdienstleistungs-Marktplatz aufzubauen. Die prominente Stellung der ERGO unter den europäischen Versicherern im Onlinebereich wird dadurch weiter gestärkt. Aber auch die Europäische Reiseversicherung bedient sich zunehmend des Internets als Distributionskanal. Und die Münchener-Rück-AG als Muttergesellschaft möchte ihre Satzung auch in diesem Punkt an die moderne Zeit anpassen: Im Vorgriff auf die Gesetzgebung, die dies vom nächsten Jahr an zulässt, wollen wir unseren in- und ausländischen Namensaktionären die Ausübung ihrer Stimmrechte erleichtern, zum Beipiel über Vollmachtserteilung per Internet.
Nun, meine Damen und Herren, zur Rückseite der Internet-Medaille, der Versicherung von E-Commerce-Risiken und dem Standpunkt der Münchener Rück hierzu.
Die Risiken, die im Zusammenhang mit E-Commerce entstehen, werden fast täglich von Ihnen und Ihren Kollegen anschaulich beschrieben. Nur beispielshalber zu nennen sind die geschäftsschädigenden Blockaden von Providern und die weltweite Verbreitung des "I love you"-Virus. Viren im Internet verursachen — angeblich oder tatsächlich: Wer wollte dies beantworten? — Milliardenschäden. Die Häufigkeit dieser Schadenszenarien wird — zumindest proportional — mit der wachsenden aktiven Nutzung des Internets und elektronisch gestützter Geschäftsprozesse sowie mit der zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft steigen. Die Welt hängt gleichsam am Tropf des Internets, so sieht es aus.
Infolgedessen stehen nicht nur die von Virusinfektionen betroffenen Unternehmen und Menschen vor einer Herausforderung, sondern auch — und dies über mehrere Versicherungszweige hinweg — die Assekuranz. Seit Beginn des Jahres werden verstärkt neue Produkte zur Abdeckung dieser Risiken auf den Markt gebracht. Im internationalen Vergleich lässt sich bisher aber kein einheitliches Bild von Deckungsumfang, Tarifierung und Risk Assessment entwerfen. Vielmehr existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Versuchsfelder, und die Münchener Rück ist hier als Knowhow- und Risiko-Träger gefragt.
Dieses wachsende neue Geschäftsfeld möchten wir mit ausgewählten Kunden angehen. Besonderes Augenmerk richten wir bei der Auswahl und Mitentwicklung von Deckungen, die wir rückversichern, auf ein angemessenes Risk-Management seitens des Versicherungsnehmers, zum Beispiel auf seine Abwehrmaßnahmen gegen Angriffe von innen und außen. Ferner achten wir auf nachvollziehbare Zeichnungs- und Tarifierungsrichtlinien sowie auf eine hinreichende Kumulbegrenzung durch den Versicherer. Letzteres — nämlich die Begrenzung des enormen Kumulrisikos — stellt auch die Rückversicherung vor eine besondere Aufgabe, die es zu lösen gilt; wir können hierbei auf bewährte Grundsätze der Rückversicherungstechnik zurückgreifen.
Meine Damen und Herren, ich komme abschließend zum laufenden Geschäftsjahr und beginne mit der Rückversicherung.
Die Sturmereignisse im Dezember haben sich auf die Vertragserneuerungen 2000 nicht mehr auswirken können. Verbesserungen bei den Preisen und Bedingungen waren daher nur partiell zu erreichen. Die Verhältnisse sind leider noch in vielen Bereichen unbefriedigend. Anzeichen für eine Festigung der Rückversicherungsmärkte sind aber feststellbar. Insgesamt konnten wir unsere Positionen auf vielen wichtigen Märkten nicht nur halten, sondern im Hinblick auf die erwarteten weiteren Besserungstendenzen sogar ausbauen.
Unbefriedigend ist speziell die Marktsituation in den USA. Dies spiegelt sich in den Quartalsergebnissen praktisch aller US-Rückversicherer wider. Die American Re hat vor 14 Tagen ihren Bericht über das erste Quartal veröffentlicht. Der Verlust von 59 Millionen US$ resultiert auch aus einem Schadennachlauf aus den Naturereignissen des Vorjahres und aus der Finanzrückversicherung. Er reflektiert aber eben auch die anhaltend schlechte Verfassung des US-Marktes, auf dem sich die Preise und Bedingungen erst ganz langsam zu bessern beginnen. Trotz des schlechten ersten Quartals erwarten wir für die American Re im Gesamtjahr ein noch ausgeglichenes Ergebnis. Die General Re meldete vor wenigen Tagen übrigens einen versicherungstechnischen Verlust von 273 Millionen US$ im ersten Quartal. Eine solche Nachricht macht uns keineswegs zufrieden, aber sie relativiert.
In der Rückversicherung sind wir bisher in 2000 von schweren Naturereignissen verschont geblieben; wir erhalten jedoch ebenfalls noch Nachmeldungen von Schäden aus den Orkanen Lothar und Martin. Die Gesamtsumme liegt im Rahmen unserer Schätzungen; der Vorgang zeigt aber, dass viele Erstversicherer die Belastungen in ihren eigenen Jahresabschlüssen 1999 unterschätzt haben. Wir rechnen damit, dass die Preise für die Deckung von Schäden aus Naturkatastrophen anziehen werden; Verbesserungen um 10 bis 15 % scheinen erreichbar zu sein.
Wie hoch unsere Schadenbelastung aus der Explosion einer Feuerwerksfabrik in der niederländischen Stadt Enschede sein wird, kann ich Ihnen heute noch nicht sagen; in ersten Schätzungen wird der gesamte versicherte Schaden an Betriebs- und Privatgebäuden samt den Inhalten sowie an Fahrzeugen auf 600 Millionen Gulden beziffert; unklar ist aber noch, wie sich der Schadenaufwand auf die Versicherungszweige sowie auf Erst- und Rückversicherer aufteilt.
Wir rechnen in der Rückversicherung insgesamt mit einem Wachstum von 2 bis 3 % — bei unveränderten Wechselkursen — und sind, was das Ergebnis angeht, vorsichtig optimistisch. Wenn die Belastungen aus Naturkatastrophen gegenüber dem Vorjahr zurückgehen und es beim Ergebnis aus den Kapitalanlagen keinen Einbruch gibt, müssten wir in diesem Geschäftsfeld ein merklich besseres Ergebnis ausweisen können als für 1999.
Die Erstversicherer haben auch im ersten Quartal 2000 gut abgeschnitten, obwohl in Leben die hohen Neugeschäftsabschlüsse des zweiten Halbjahres 1999 nicht wiederholbar waren. Wir gehen auch im Jahr 2000 von einem Wachstum aus, das mit etwa 4 % über dem Zuwachs des deutschen Marktes liegen wird. Motor des Wachstums könnte im laufenden Jahr die Krankenversicherung sein.
Insgesamt erwarten wir für das Geschäftsjahr 2000 ein Umsatzwachstum um 3 bis 4 % und einen Anstieg des Konzernergebnisses um über 10 % auf mehr als 1,2 Milliarden Euro.
Lassen Sie mich zum Abschluss kurz noch eingehen auf die beabsichtigten Transaktionen von Münchener Rück und Allianz, über die wir am 4. Mai in einer Pressemitteilung berichtet haben. Wir schlagen mehrere Fliegen mit einer Klappe: Wir bewahren die breite und bewährte partnerschaftliche Beziehung von Münchener Rück und Allianz zum Nutzen aller Beteiligten. Diese Beziehung ist mit einer gegenseitigen Beteiligung von geplant rund 20 % ebenso gut unterlegt, wie sie es mit 25 % war. Beide Häuser, Münchener Rück und Allianz, vergrößern markant ihren Free Float. Gerade für die Münchener Rück ist dies wichtig, denn bisher war bei uns etwas mehr Kapital bei einzelnen Adressen gebunden, als dies bei der Allianz der Fall war. Andererseits ist der Markt an Münchener-Rück-Aktien sehr interessiert; dies lässt sich an der Vervierfachung der Zahl unserer Aktionäre in den letzten zwei Jahren ablesen. Schließlich generieren wir, ohne dass dies die Kapitalmärkte stören wird, in erheblichen Umfang Mittel, die wir unternehmerisch reinvestieren wollen. Hierbei denken wir vor allem an Investitionen in unseren Kerngeschäftsfeldern Rückversicherung, Erstversicherung und Asset-Management. Ich habe Ihnen ja vorhin ganz konkrete Einsatzmöglichkeiten genannt. Wir werden aber nur in solche Objekte investieren, bei denen wir die Aussicht auf nachhaltigen unternehmerischen Ertrag sehen. Es kommt nicht darauf an, einfach nur zu wachsen, sondern wir wollen die Münchener-Rück-Gruppe stärker machen, und das heißt vor allem auch, ertragsstärker. Dies dient den Interessen unserer Aktionäre ebenso wie den Interessen unserer Kunden, deren Risiken wir mittragen, und natürlich auch den Belangen unserer Mitarbeiter.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
(Es gilt das gesprochene Wort.)