18. Juni 1999

Referat des Vorstandsvorsitzenden

Bilanzpressekonferenz am 18. Juni 1999

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie herzlich zur diesjährigen Bilanzpressekonferenz. Die letzte war im Oktober 1998 und liegt damit erst acht Monate zurück. In der Zwischenzeit haben wir

  • unseren Aktionären für das Geschäftsjahr 1997/98 1,80 DM pro 5-DM-Aktie an Dividende gezahlt — es war die sechste Dividendenerhöhung in Folge;
  • und wir haben den Bilanzstichtag auf den 31. Dezember vorverlegt, also um ein halbes Jahr. Dies bringt von nun an unseren Aktionären eine frühere Auszahlung der Dividende und — ebenso wie der interessierten Öffentlichkeit — frühere Information und Kommentierung durch die Medien. Ihnen als deren Vertretern möchte ich bei dieser Gelegenheit für Ihr großes Interesse an der Münchener Rück danken.
  • Seit Oktober haben wir zudem die meisten unserer Kapitalbeteiligungen auf Personengesellschaften verlagert. Damit haben wir uns angesichts sich ändernder Rahmenbedingungen ein wesentliches Stück Flexibilität bei der Kapitalanlage gesichert. Sie erinnern sich vielleicht, daß ich bei unserem letzten Treffen auf die volks- und betriebswirtschaftlichen Beeinträchtigungen durch neue steuerrechtliche Regelungen hingewiesen habe.
  • Wir haben des weiteren bei den gemeinsamen Beteiligungen von Münchener Rück und Allianz einiges neu geordnet und unternehmerisch klarer zugeordnet. So wurden wir Alleineigentümer der American Re, und so halten wir jetzt rund 60 % an der ERGO.
  • Wir haben ferner das vor einem Jahr präsentierte Paket an Kapitalmaßnahmen ans Ziel gebracht. Nach Zustimmung der Börsen vor einer Woche werden wir ab Dezember planmäßig nur noch eine börsennotierte Aktie haben, nämlich die vinkulierte Namensaktie als Stückaktie. Unser Maßnahmenpaket war offensichtlich so attraktiv, daß im Zuge von Kapitalerhöhungen und Splittings die Zahl der Namensaktionäre allein seit der letzten Bilanzpressekonferenz bis heute um etwa zwei Drittel auf gut 50.000 gestiegen ist.
  • Der Kurs unserer Aktie liegt heute etwa auf dem gleichen Niveau wie im Oktober, obwohl er in den letzten Monaten wie auch der der meisten anderen großen Versicherungswerte unter erheblichem Druck stand. Mittel- oder langfristig betrachtet, zum Beispiel im 10-Jahresvergleich, war die Anlage in Münchener-Rück-Aktien dennoch ein weit überdurchschnittlich gutes Geschäft. Sie rentierte pro Jahr mit über 23 %. Mit der Konzentration auf nur noch eine Aktienkategorie, mit der dadurch verbesserten Transparenz und Marktbreite sowie der Verbreiterung unserer Aktionärsbasis, haben wir Voraussetzungen dafür geschaffen, daß es auch in Zukunft mit der Münchener-Rück-Aktie aufwärtsgeht. Mit anderen Worten: Die Börse handelt unsere Aktie zur Zeit zu Kaufkursen.

Seit wir zum letzten Mal hier zusammen waren, haben wir im übrigen wesentliche Schritte hin zu einer frühzeitigeren Berichterstattung getan: Erstmals bereits im März hat die Münchener Rück ausführlich über die vorläufigen Eckdaten des gerade abgeschlossenen Geschäftsjahres berichtet, in diesem Fall über das Rumpfgeschäftsjahr 1998. Daher kann ich mich heute insoweit auf die wesentlichen Entwicklungen konzentrieren.

Vorausschicken möchte ich, daß dieses Rumpfgeschäftsjahr 1998 folgendes erneut gezeigt hat:

  • Die Struktur unserer Gruppe mit starken Standbeinen in der Rückversicherung und in der Erstversicherung ist nicht nur einzigartig, sie ist vor allem richtig. Struktur und Strategie lassen sich kurz so umschreiben:

In der Rückversicherung sind unsere Kunden Versicherer — über 5.000 in rund 150 Ländern. Wir übernehmen Teile ihres Risikos; wir beraten sie bei der Aufnahme neuer Versicherungssparten; wir helfen ihnen dabei, ihr Versicherungsgeschäft zu gestalten und auszubauen.

Durch die Übernahme weltweiten Rückversicherungsgeschäfts in allen Versicherungszweigen schaffen wir für uns einen globalen Risikoausgleich.

In der Erstversicherung konzentriert sich die Münchener-Rück-Gruppe auf das Geschäft mit Privatkunden und auf den gewerblichen Mittelstand. Zu unserem Erstversicherungsbereich gehört mit ERGO die zweitgrößte Erstversicherungsgruppe Deutschlands. Ein starkes Standbein in der Erstversicherung war und ist ein wichtiger Teil unserer Strategie. Wir schaffen so eine Balance zwischen dem schwankungsanfälligen Rückversicherungsgeschäft und dem stabileren Privatkundengeschäft in der Erstversicherung; diese Diversifikation macht die Münchener-Rück-Gruppe besonders leistungsfähig.

Zur Zeit schaffen wir mit dem zukunftsträchtigen Geschäftsfeld Asset-Management einen weiteren Geschäftsschwerpunkt; ich komme später darauf zurück.

  • Die Strategie einer Verbreiterung und weiteren Internationalisierung unseres Rückversicherungsgeschäfts, am markantesten zu belegen an dem Kauf der American Re und der Torino Ri, hat gute Früchte getragen. Mehr als zwei Drittel des von uns "produzierten" Rückversicherungsschutzes haben wir an Zedenten außerhalb unserer Grenzen exportiert

und so den Finanzplatz Deutschland weltweit prominent vertreten.

  • ie Kapitalmärkte haben 1998 für manche Überraschung gesorgt. Die Chancen, die volatile Märkte bieten, haben wir genutzt, um Aktien und Beteiligungen sowie Immobilien gezielt zu verkaufen; so haben wir Gewinne realisiert, und so konnten wir außerdem bei der Wiederanlage der Erlöse die Mischung und Streuung unserer Kapitalanlagen weiter verbessern.

Dank dieser und weiterer Maßnahmen blieb das Rumpfgeschäftsjahr 1998 kein Torso, sondern zeigt die Kraft eines erfolgreichen Versicherungskonzerns und bietet allen Beteiligten Anlaß zur Zufriedenheit:

Unseren Kunden haben wir — im Kalenderjahr 1998 mehr denn je — innovativen und individuellen Rückversicherungsschutz mit exzellentem Service und unübertroffener Security zur Verfügung gestellt. Es war daher auch keine Überraschung, daß wir auf vielen Märkten unsere Position im Wettbewerb verbessern konnten.

Wir haben den Bestand an Mitarbeitern quantitativ und qualitativ weiter verstärkt; ohne sie wäre kein Mehrwert zu schaffen. Mit großer Sorgfalt suchen wir neue Mitarbeiter aus und profilieren sie dann für unser internationales Geschäft. Unsere langjährigen Mitarbeiter bilden wir von hohem Niveau aus fort. Unser Ziel ist der unternehmerisch denkende und handelnde Mitarbeiter, der aus seiner Erfahrung und aus seiner Einbindung in interdisziplinäre Teams die Kraft und das Wissen schöpft, um unseren Kunden optimale Problemlösungen anzubieten.

Last but not least handeln wir im Interesse unserer Aktionäre, die unseren weiteren Weg in der Spitzengruppe der internationalen Assekuranz begleiten sollen. Ihnen und unter ihnen besonders den langfristigen Aktionären gilt unsere ganze Aufmerksamkeit. Unsere Informations- und Dividendenpolitik der letzten Jahre wie auch eine ganze Reihe aktionärsfreundlicher Maßnahmen zeigen dies.

Nun also zum Rumpfgeschäftsjahr.

Die Münchener-Rück-Gruppe ist weiterhin auf Erfolgskurs.

Im Berichtsjahr erzielten wir bei deutlich erhöhtem Umsatz ein verbessertes Konzernergebnis, obwohl wegen der Vorverlegung des Bilanzstichtags der Münchener-Rück-AG ein Teil ihrer laufenden Erträge aus Kapitalanlagen im Konzernergebnis fehlt. Vor allem die erstmalige vollständige Einbeziehung von VICTORIA und D.A.S. hat zu der positiven Entwicklung beigetragen; sie waren im Konzernabschluß des Vorjahres nur mit fünf Zwölfteln berücksichtigt.

Die Beitragseinnahmen der in den Konzernabschluß einbezogenen Unternehmen stiegen um 11,8 % auf 49,8 (44,5) Milliarden DM. Ohne die Veränderungen im Konsolidierungskreis wäre der Umsatz um etwa 2,5 % gewachsen. Die Nettobeiträge belaufen sich auf 46,0 (40,5) Milliarden DM; das sind 13,7 % mehr als im Vorjahr.

Das Beitragsvolumen entfällt nun jeweils zur Hälfte auf Rückversicherer und Erstversicherer. Vor fünf Jahren war die Relation noch bei zwei Drittel zu ein Drittel.

Die Rückversicherungsgruppe — hier ist unser Heimatmarkt die Welt — erzielte auf konsolidierter Basis leicht erhöhte Bruttobeitragseinnahmen von 25,0 (24,9) Milliarden DM. Diese Entwicklung geht allerdings zum Teil auf ungünstigere Wechselkursrelationen zurück: Die per saldo höhere Bewertung der Deutschen Mark belastete den Umsatz wechselkursbedingt mit 1,8 Milliarden DM. Ohne den Einfluß von Wechselkursänderungen hätten sich die Beitragseinnahmen im Berichtsjahr um 7,4 % erhöht.

Die Nettobeiträge in der Rückversicherung stiegen auf 22,0 (21,7) Milliarden DM. Die Selbstbehaltsquote erhöhte sich auf 88,0  % (87,1 %).

Die regionale Verteilung unseres Rückversicherungsgeschäfts hat sich im Berichtsjahr nur geringfügig verändert. Der Anteil des europäischen Geschäfts an den Bruttobeiträgen nahm um drei Prozentpunkte zu. Das Absinken der Anteile aus den übrigen Regionen hing vor allem mit Wechselkursänderungen zusammen.

In den einzelnen Rückversicherungszweigen entwickelte sich der Umsatz unterschiedlich. Erfreulich zulegen konnten wir in der Lebens- und Krankenversicherung. Nennenswerte Einbußen verzeichneten demgegenüber die Kraftfahrtversicherung und die Technischen Versicherungen. Der umsatzstärkste Versicherungszweig ist weiterhin die Feuerversicherung. Wir verfügen über ein ausgewogenes Portefeuille; jeweils gleich große Bedeutung haben darin die eher ausgeglichen verlaufende Personenversicherung, das stärker großschadenanfällige Sachversicherungsgeschäft sowie das mehr langfristig orientierte Kraftfahrt- und Haftpflichtversicherungsgeschäft.

Das Ergebnis aus der Rückversicherung spiegelte die Marktentwicklungen wider. 1997 hatten wir nach zwei Gewinnjahren einen geringen versicherungstechnischen Verlust von 44 Millionen DM zu verzeichnen. Dieses Resultat war im Vergleich zu den Jahren vor 1995 immer noch ganz hervorragend. Im Berichtsjahr ergab sich bei durchaus gegenläufigen Entwicklungen in den einzelnen Rückversicherungszweigen ein Fehlbetrag von 404 Millionen DM. Vor allem Preis- und andere Konditionenzugeständnisse wegen verschärften Wettbewerbs schlagen sich hierin nieder. Daneben hatten wir höhere Belastungen aus Naturkatastrophen und anderen Großschäden zu tragen. In Anbetracht der derzeitigen Marktsituation in der Rückversicherung ist das Ergebnis aber durchaus noch zufriedenstellend.

Das Ergebnis aus den Kapitalanlagen der Rückversicherer beträgt trotz des Rumpfgeschäftsjahres der Münchener-Rück-AG 4,2 (4,5) Milliarden DM.

Der Rohüberschuß der Rückversicherer beläuft sich auf 2,1 (2,6) Milliarden DM.

Die Schwankungsrückstellung und die ähnlichen Rückstellungen wuchsen um 0,7 (1,2) Milliarden DM. Die niedrigere Zuführung spiegelt den ungünstigeren Verlauf des Rückversicherungsgeschäfts wider. Als Rückstellungen zum Ausgleich künftiger Ergebnisschwankungen stehen jetzt 6,8 (6,1) Milliarden DM zur Verfügung — ein eindrucksvoller, aber wegen der Volatilität des Rückversicherungsgeschäfts auch notwendiger Betrag.

Zudem haben wir mit 282 (270) Millionen DM aufs neue hohe Sonderzuführungen an die Rückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle insbesondere im Haftpflichtgeschäft vorgenommen.

Der Jahresüberschuß der Rückversicherer vor Steuern blieb mit 1,1 Milliarden DM nahezu unverändert.

Die Erstversicherer, also unsere Kunden, messen der finanziellen Ausstattung ihrer Rückversicherer angesichts steigender Risikoexponierung zu Recht große und weiter wachsende Bedeutung bei. Wir sind auch in dieser Hinsicht sehr gut gerüstet. Die Münchener-Rück-AG hat ihre Finanzkraft im Berichtsjahr deutlich verstärkt. Im Rahmen der Kapitalmaßnahmen 1998 sind uns rund 2,6 Milliarden DM zugeflossen; weitere 0,7 Milliarden DM erbrachte die Kapitalerhöhung für die Inhaberaktionäre im Frühjahr 1999. Durch die Dotierung der Rücklagen aus dem Jahresergebnis 1998 mit 150 Millionen DM haben wir unsere finanzielle Basis wie geplant weiter gefestigt. Das Eigenkapital der Gesellschaft beträgt nach diesen Kapitalmaßnahmen 7,2 Milliarden DM.

Die hohe finanzielle Sicherheit, die die Münchener Rück ihren Kunden bietet, beruht nicht zuletzt auf den sogenannten Bewertungsreserven, also dem Unterschied zwischen den Buchwerten und den Zeitwerten ihrer Kapitalanlagen. Diese Bewertungsreserven belaufen sich per 31. Dezember 1998 bei der AG auf 67,4 Milliarden DM und im Konzern auf 82,1 Milliarden DM.

Nicht nur die Finanzkraft der Münchener-Rück-AG ist hervorragend, auch unsere Rückversicherungstöchter sind bestens kapitalisiert. So verfügt die American Re über eine im Vergleich zu ihren Konkurrenten sehr gute Kapitalausstattung von 2,9 Milliarden US$. Der Münchener Rück Italia haben wir im Berichtsjahr zur Stärkung der Kapitalbasis 300 Milliarden Lit. zugeführt. Das Eigenkapital der Munich American Reassurance Company, Atlanta, haben wir um 76 Millionen US$ aufgestockt, um sie noch besser für den angestrebten weiteren Geschäftsaufbau auszustatten.

Die finanzielle Stärke der Münchener Rück spiegelt sich auch in den Bewertungen der führenden Ratingagenturen wider. So erhielten wir innerhalb der letzten 12 Monate mit A++ (Superior) von A.M. Best, Aaa (Exceptional) von Moody's und AAA (Extremely Strong) von Standard & Poor's jeweils die höchstmögliche Einstufung.

Zum Münchener-Rück-Konzern gehört seit Jahrzehnten eine Reihe namhafter deutscher Erstversicherungsgesellschaften, die ihren Schwerpunkt in der besonders zukunftsträchtigen Lebens- und Krankenversicherung haben. Unsere Tochterunternehmen — ERGO, Karlsruher, Europäische — tragen maßgeblich zu einer stabilen Umsatz- und Ertragsentwicklung des Konzerns bei, indem sie die hohe Schwankungsanfälligkeit des Rückversicherungsgeschäfts ausgleichen.

1998 haben sich die Erstversicherer der Gruppe — ihr Heimatmarkt ist Europa — in einem schwierigen Umfeld bestens behauptet; bei einem deutlich verbesserten versicherungstechnischen Ergebnis sind sie insgesamt schneller als der Markt gewachsen.

Die Erstversicherungsgesellschaften trugen im Berichtsjahr 24,8 (19,6) Milliarden DM zum Konzernumsatz bei, 26,7 % mehr als im Vorjahr. 90 % des Umsatzes kamen aus dem Inland, 10 % ganz überwiegend aus dem europäischen Ausland.

Die Bruttobeiträge erhöhten sich um 5,2 Milliarden DM. Davon entfielen 4,2 Milliarden DM auf folgende Veränderungen: VICTORIA und D.A.S. sind erstmals mit einem vollen Geschäftsjahr einbezogen; die Berlinische Leben ist bekanntlich zum 1. Januar 1998 aus dem Konsolidierungskreis ausgeschieden.

Ohne diese Veränderungen hätte sich eine Beitragssteigerung um 4,2 % ergeben. Am stärksten wuchs auf bereinigter Basis die Krankenversicherung mit einem Anstieg der Beitragseinnahmen um 7,1 %; die Lebensversicherung nahm um 3,1 % zu. Sehr erfreulich ist, daß — entgegen dem Branchentrend — auch in der Schaden- und Unfallversicherung ein Wachstum von 3,4  % erzielt werden konnte.

Die konsolidierten Nettobeiträge erhöhten sich um 28,0 % auf 24,0 (18,8) Milliarden DM.

Der versicherungstechnische Gewinn stieg um mehr als 70 % auf knapp 1,1 (0,6) Milliarden DM. Das ist der bisher höchste Beitrag unserer Erstversicherungsgruppe zum Konzerngewinn.

1998 haben die Lebens- und Krankenversicherer der Gruppe ihre Versicherungsleistungen, also die zugunsten der Kunden gezahlten oder zurückgestellten Beträge, wieder deutlich erhöht.

In der Schaden- und Unfallversicherung war die Schadenentwicklung nochmals günstiger als im Vorjahr.

Zur Verbesserung der Verwaltungsabläufe und zur Modernisierung der Agenturen haben die Gesellschaften viel getan; dennoch nahmen die Verwaltungsaufwendungen aufgrund des konsequenten Kostenmanagements nicht stärker zu als die Beiträge. Die Abschlußaufwendungen erhöhten sich, da sich das Neugeschäft in der Lebens- und Krankenversicherung erfreulich entwickelte.

Wegen des günstigeren versicherungstechnischen Ergebnisses stiegen die Zuführungen der Schaden- und der Unfallversicherer zu den Schwankungsrückstellungen auf 80 (56) Millionen DM.

Auch das Ergebnis aus Kapitalanlagen war 1998 nochmals deutlich besser.

Obwohl die Berlinische Leben aus dem Konzern ausgeschieden ist, nahmen die Kapitalanlagen der Erstversicherer auf 142 (138) Milliarden DM zu.

Die Erträge aus diesem Bestand betrugen 12,1 (9,4) Milliarden DM; in der Vorjahreszahl sind VICTORIA und D.A.S. nur zeitanteilig enthalten. Vor allem die Lebens- und die Krankenversicherer nutzten die zeitweise günstige Börsensituation, um Kursgewinne zu erzielen.

Die ERGO Versicherungsgruppe, 1997 aus dem Zusammenschluß von VICTORIA, Hamburg-Mannheimer, DKV und D.A.S. entstanden, ist die zweitgrößte Erstversicherungsgruppe auf dem deutschen Markt. Sie hat ihren Schwerpunkt eindeutig im Privatkundengeschäft und betreut über 15 Millionen Kunden; in der Krankenversicherung und in der Rechtsschutzversicherung ist sie Marktführer in Europa.

Die Beitragseinnahmen der ERGO Versicherungsgruppe stiegen 1998, einschließlich 1,8 (1,6) Milliarden DM an Beiträgen aus der Rückstellung für Beitragsrückerstattung, um 4,9 % auf 24 (22,9) Milliarden DM. Davon entfielen 43 % auf das selbst abgeschlossene Lebensversicherungsgeschäft, 31 % auf die Krankenversicherung und 24 % auf die selbst abgeschlossene Schaden- und Unfallversicherung. Die ausländischen Tochterunternehmen steuerten Bruttobeiträge von 2,0 (1,6) Milliarden DM bei, 23,8 % mehr als im Vorjahr. Dieser erfreuliche Zuwachs ist auch zurückzuführen auf die erstmalige Einbeziehung der Previasa, der fünftgrößten spanischen Krankenversicherungsgesellschaft, sowie der Magdeburger Hellas, eines griechischen Schaden- und Unfallversicherers. Der Auslandsanteil an den Bruttobeiträgen erhöhte sich von knapp 8 % auf 9 %.

Die Karlsruher ist mit einem bundesweit ausgerichteten Vertriebsnetz in der Lebensversicherung sowie in der Schaden- und Unfallversicherung tätig. Muttergesellschaft der Gruppe ist die Karlsruher Leben. Insgesamt vereinnahmten die Gesellschaften der Karlsruher 1998 erneut Bruttobeiträge von 2,3 Milliarden DM.

Die Europäische gehört zu den führenden Reiseversicherern in Europa. Zusammen mit ihren Tochter- und Beteiligungsunternehmen ist die Gesellschaft in zehn europäischen Ländern sowie mit einem weltweiten Assistance- und Dienstleistungsnetz von Sydney bis Indianapolis vertreten. Die Beitragseinnahmen der Gruppe beliefen sich im Geschäftsjahr 1998 unverändert auf rund 525 Millionen DM.

1998 war ein turbulentes Jahr für die internationalen Kapitalmärkte. Während die Rentenmärkte wieder über Erwarten gut abschnitten, verzeichneten die Aktienmärkte zum Teil negative Entwicklungen. Auch die Währungen zeigten größere Veränderungen. Der Dollarblock tendierte im vergangenen Jahr schwächer; ebenso büßte das britische Pfund an Attraktivität ein.

In diesem volatilen und uneinheitlichen Umfeld hat sich unsere Anlagestrategie bewährt. Hierzu einige grundsätzliche Anmerkungen: Unsere Ziele sind, möglichst große Sicherheit und Rentabilität bei jederzeitiger Liquidität zu erreichen, daneben eine vernünftige Mischung nach Anlagearten sowie eine ausgewogene Streuung nach Ländern und Branchen.

Die Struktur unseres Portefeuilles soll sich dabei an den zugrundeliegenden versicherungstechnischen Verpflichtungen orientieren. Die Fristenkongruenz dieser Verpflichtungen einerseits und unserer Kapitalanlagen andererseits ist uns hierbei wichtig. So haben die Kapitalanlagen zur Bedeckung der Rückstellungen in der Schaden- und Unfallversicherung im Mittel eine Duration von dreieinhalb Jahren. Langfristige Verpflichtungen, wie sie typischerweise aus dem Lebens- und Haftpflichtgeschäft resultieren, sind durch Papiere mit entsprechend längeren Laufzeiten oder durch Aktienanlagen gedeckt.

An dem Prinzip der währungskongruenten Bedeckung unserer Verbindlichkeiten durch Kapitalanlagen halten wir weiterhin fest; jedoch haben wir — wie schon bisher — Verpflichtungen in Schwellenländern, deren Kapitalmarkt nicht ausreichend liquide ist, durch Anlagen auf dem amerikanischen oder europäischen Kapitalmarkt bedeckt

Den Auslandsanteil unserer Kapitalanlagen haben wir weiter erhöht. Neben unseren Anlagen in Europa waren uns Investitionen in den USA am wichtigsten, wo wir im zweiten Halbjahr 1998 die Rückschläge des amerikanischen Aktienmarktes gezielt für eine sukzessive Erhöhung unseres Aktienanteils im US-Dollar-Bereich genutzt haben. Insgesamt aber liegt der Schwerpunkt unserer Aktienanlagen bei europäischen Titeln. Die Entstehung einer europäischen Aktienkultur, die von Umstrukturierungen wie auch Unternehmenszusammenschlüssen und -übernahmen geprägt sein wird, bietet aus unserer Sicht in den nächsten Jahren gute Gewinnchancen.

Innerhalb unseres Rentenportefeuilles haben wir die europäischen Anlagen im Hinblick auf den entstehenden Euro-Kapitalmarkt neu ausgerichtet. Hierbei achten wir vor allem auf die Bonität der einzelnen Emittenten. Wir achten ferner besonders auf die Liquidität der einzelnen Anlagen und investieren außer in Staatsanleihen auch in Anleihen von erstrangigen Emittenten, die ein Rating von mindestens AA- haben.

Nun zu einigen Zahlen in diesem Zusammenhang: Die Kapitalanlagen des Konzerns stiegen 1998 erneut um mehr als 8 Milliarden DM auf rund 217 Milliarden DM, obwohl das Ausscheiden der Berlinischen Leben aus dem Konsolidierungskreis und negative Währungseinflüsse das Wachstum einschränkten. Nach dem geschilderten Ausbau im Aktienbereich repräsentieren Aktien und Investmentzertifikate inzwischen 28 % unserer Kapitalanlagen; unverändert bilden jedoch Darlehen mit 43 % den Schwerpunkt unseres Anlagebestandes.

Obwohl wegen des Rumpfgeschäftsjahres der Münchener-Rück-AG ein Teil der laufenden Kapitalerträge im Konzern fehlte, konnte mit 15,2 Milliarden DM nach 13,3 Milliarden DM das Gesamtergebnis aus Kapitalanlagen des Vorjahres deutlich übertroffen werden. Dazu trugen unter anderem die Gewinne aus dem Verkauf der seit langem gehaltenen Anteile an Mercury Asset Management und an AMB bei.

Lassen Sie mich das Berichtsjahr 1998 zusammenfassen:

Das versicherungstechnische Ergebnis hat sich um rund 100 Millionen DM auf 692 Millionen DM erhöht. Durch erfreulich gestiegene Überschüsse in der Erstversicherung konnten wir die schlechteren Resultate in der Rückversicherung nicht nur ausgleichen, sondern insgesamt den versicherungstechnischen Gewinn sogar steigern.

Das Ergebnis aus Kapitalanlagen stieg — wie gesagt — deutlich auf fast 15,2 Milliarden Mark.

Aus dem Rohüberschuß von 3,7 Milliarden DM konnten bei der Münchener Rück AG und bei der Neuen Rück mit 282 Millionen DM erneut hohe Sonderzuführungen an die Rückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle vorgenommen werden.

Der Schwankungsrückstellung und den ähnlichen Rückstellungen floß mit rund 800 Millionen DM erneut ein sehr hoher Betrag zu. Die Dotierung ist allerdings wesentlich niedriger als in den beiden Vorjahren, als wegen der hervorragenden Ergebnissituation in der Rückversicherung außergewöhnlich hohe Beträge zugeführt wurden.

Der Konzernjahresüberschuß nach Steuern ist leicht gestiegen. Er nahm um 4,2 % auf knapp 1,2 Milliarden DM zu.

Das Ergebnis je Aktie — ermittelt nach dem DVFA/GDV-Schema und mit der DVFA abgestimmt — fiel erwartungsgemäß niedriger aus als im Vorjahr; es beläuft sich auf 13,95 DM. Dies war vor allem eine Folge der deutlich gesunkenen Zuführung zu den Schwankungsrückstellungen. Berücksichtigt man die Kapitalmaßnahmen zu Beginn dieses Jahres, also den Aktiensplit und die Kapitalerhöhung für unsere Inhaberaktionäre, so beläuft sich das bereinigte Ergebnis je Aktie auf 6,98 DM.

Der Jahresüberschuß der Münchener Rück AG beträgt 309 Millionen DM. Davon haben wir 150 Millionen DM in die Gewinnrücklagen eingestellt. Der verbleibende Bilanzgewinn von 159 Millionen DM ermöglicht die Ausschüttung einer trotz des Rumpfgeschäftsjahres unveränderten — und damit letztlich erhöhten — Dividende von 1,80 DM.

Nun also zum Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr, das 120. der Münchener Rück:

Für 1999 rechnen wir derzeit im Konzern insgesamt mit einem erhöhten Umsatz und einem besseren Jahresergebnis als im Vorjahr. Insbesondere für die Münchener-Rück-AG zeichnet sich ein deutlich höherer Jahresüberschuß ab. Nach dem jetzigen Kenntnisstand sollte es möglich sein, die Dividende von 1,80 DM beizubehalten, obwohl sich die Zahl der Aktien nach dem Aktiensplit und der Kapitalerhöhung für die Inhaberaktionäre verdoppelt hat und damit — bei unverändertem Dividendensatz — dann auch die Dividendensumme auf den doppelten Betrag ansteigt. Dies setzt natürlich voraus, daß wir bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres von außergewöhnlichen Schadenereignissen und von massiven Kursverlusten auf den Kapitalmärkten verschont bleiben.

Auch wenn es auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint: Die Qualität des nächsten Abschlusses wird dennoch aufgrund der ungünstigen Entwicklungen im Bereich der Rückversicherung nicht wieder so gut sein wie der Jahrgang ´98. Ich werde dies gleich erläutern.

Wir erwarten für 1999 in der Rückversicherungsgruppe aufgrund der aktuellen Schätzungen einen Anstieg der Bruttobeiträge um knapp 4 %, der vor allem aus der Lebensrückversicherung resultiert. In zahlreichen Sparten der Schaden- und Unfallrückversicherung müssen wir dagegen mit stagnierenden oder sogar rückläufigen Umsätzen rechnen.

Das versicherungstechnische Ergebnis der in den Konzernabschluß einbezogenen Rückversicherer wird sich erneut verschlechtern. Dies ist die logische Folge sinkender Originalraten und weiter nachgebender Rückversicherungspreise sowie schlechter gewordener Rückversicherungsbedingungen. Das Ausmaß des Ergebnisrückgangs wird entscheidend davon abhängen, wie sich die Belastungen aus Naturkatastrophen und anderen Großschäden entwickeln. Der bisherige Verlauf war gemessen an den Vorjahren durch deutlich höhere Belastungen gekennzeichnet. Hierfür zwei Beispiele:

1998 hatten wir das schlechteste Jahr in der Geschichte der Raumfahrtversicherung zu verzeichnen; uns trafen insgesamt zehn Großschäden. Auch 1999 läßt sich in dieser Sparte nicht gut an. Von vierzehn versicherten Starts sind zwei fehlgeschlagen. Einer der betroffenen Satelliten, Orion 3, wurde aufgrund eines Versagens der Startrakete in einer zu niedrigen Umlaufbahn ausgesetzt, auf der er nicht genutzt werden kann. Hersteller und Betreiber prüfen derzeit, ob der funktionsfähige Satellit doch noch auf seine vorgesehene Umlaufbahn gebracht werden kann. Außerdem wurden wir noch von zwei In-orbit-Schäden getroffen. Unsere Gesamtschadenbelastung beträgt, falls Orion nicht gerettet werden kann, rund 140 Millionen DM. Derzeit ist unser Ergebnis in der Raumfahrtversicherung daher negativ. Bei planmäßiger Durchführung der für den Rest des Jahres vorgesehenen Starts rechnen wir bei durchschnittlichem Schadenverlauf allerdings insgesamt noch mit einem leicht positiven Ergebnis

Im Bereich der Elementarereignisse hat ein Hagelsturm, der sich Mitte April in Australien im Raum Sydney ereignete, ganz erhebliche Schadenbelastungen gebracht. Nach anfänglicher Einstufung als mittelgroßes Naturereignis rechnet die australische Assekuranz nun bei einem versicherten Gesamtschaden von etwa 1,5 Milliarden DM mit einem historischen Größtereignis. Wir schätzen unsere Belastungen für die gesamte Münchener-Rück-Gruppe derzeit auf eine Größenordnung von 250 Millionen DM. In unserem Geschäftsgebiet Asien und Australasien ist dies das bisher zweitgrößte Schadenereignis nach dem Taifun Mireille in Japan 1991. Aus der Sicht unserer Geowissenschaftler sind derart ausgeprägte Hagelereignisse für Sydney keine ungewöhnliche Erscheinung. Dem aktuellen Ereignis läßt sich eine Wiederkehrperiode von nicht mehr als 25 Jahren zuordnen.

Andere Naturkatastrophen, die in den Medien teils erhebliche Resonanz fanden, wie z. B. der Lawinenwinter in den Alpen, das Erdbeben in Kolumbien, die Tornados in USA oder die Überschwemmungen in Bayern, belasten die Münchener-Rück-Gruppe dagegen nur vergleichsweise gering.

Insgesamt sind — wie gesagt — die Belastungen aus Naturkatastrophen und Großschäden bisher höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum und die Wettbewerbsbedingungen ungünstiger. Bereits jetzt ist daher abzusehen: Der zu erwartende schlechtere Verlauf in der Rückversicherung hat zur Folge, daß sich die Zuführungen zu den Schwankungsrückstellungen deutlich vermindern werden. Aus diesem Grund rechnen wir trotz eines ungünstigeren Rückversicherungsergebnisses insgesamt doch mit einem deutlich besseren Jahresergebnis 1999 in der Münchener-Rück-AG. Die "Qualität" des 98er Abschlusses würde damit nicht erreicht, die der Jahre 1990 bis 1992 — als eine ähnliche Marktsituation herrschte — aber deutlich übertroffen. Hier zahlt sich aus, daß wir unsere Bestandszusammensetzung in den letzten Jahren deutlich verbessert haben.

Bei unseren Rückversicherungstöchtern erwarten wir derzeit insgesamt keine nennenswerten Veränderungen im Vergleich zu den Vorjahresergebnissen.

In den letzten Wochen haben einige unserer Konkurrenten — zum Teil recht spektakulär — darauf hingewiesen, daß eine Trendwende bei den Rückversicherungspreisen und Rückversicherungsbedingungen unumgänglich sei. Angesichts der gerade beschriebenen Ergebniserwartungen schließen wir uns dieser Feststellung nachdrücklich an. Wir sehen keinen Spielraum für weitere Zugeständnisse und werden gegebenenfalls auf Geschäftsmöglichkeiten verzichten, wenn sie sich auf Dauer nicht rechnen.

Nun zur Erstversicherung:

Bei unseren Erstversicherern sollte sich der günstige Verlauf auch 1999 fortsetzen, und zwar sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis.

Im 1. Quartal stiegen die Beitragseinnahmen der ERGO-Gesellschaften im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 2 %. Erfreulich verliefen die Personenversicherungssparten. In der Lebensversicherung wuchsen die Beitragseinnahmen um 1,6 %; das Neugeschäft lag sogar um 10,3 % über dem Vorjahreswert. In der Krankenversicherung stiegen die Beitragseinnahmen um 4,4 %; das Neugeschäft wuchs hier um 4,6 %. In der Schaden- und Unfallversicherung erreichten die Beitragseinnahmen nicht ganz den Vorjahreswert — angesichts der schwierigen Marktentwicklung ein zufriedenstellendes Ergebnis. Die Beitragseinnahmen in der Rechtsschutzversicherung bewegten sich auf Vorjahresniveau. Im Auslandsgeschäft konnten die Beitragseinnahmen um 9,2 % gesteigert werden. Mit dem Erwerb der Mehrheit an der polnischen Compensa Leben und einer Beteiligung an der Compensa Sach im April 1999 durch die Hamburg-Mannheimer konnte die ERGO ihre Präsenz in Europa weiter ausbauen.

Die Karlsruher und die Europäische haben sich im 1. Quartal ebenfalls planmäßig entwickelt.

Für das gesamte Geschäftsjahr erwarten wir bei unseren Erstversicherern einen Anstieg der Bruttobeiträge von voraussichtlich rund 3 %. Unsere Erstversicherer rechnen — wenn keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten — erneut mit einem guten versicherungstechnischen Ergebnis.

Bei den Kapitalanlagen erwarten wir für 1999 im Konzern eine Zunahme des Bestands und ein weiter steigendes Ergebnis — vorausgesetzt, daß sich die Verhältnisse auf den Kapitalmärkten bis zum Jahresende nicht grundlegend zum Negativen hin verändern. Das Asset-Management — auch für Dritte — wird auf- und ausgebaut und unsere Leistungspalette im Konzern ergänzen und erweitern.

Aus der bevorstehenden deutschen Steuerreform kommen auf die Münchener-Rück-AG und die deutschen Töchter nicht unerhebliche Mehrbelastungen zu. Zwar stehen wesentliche Ausführungsbestimmungen noch aus; nach heutiger Kenntnis erwarten wir eine — allerdings auf die nächsten fünf bis maximal zehn Jahre verteilte — Mehrbelastung in der Größenordnung von rund 1 Milliarde DM.

Insgesamt sollte — wie gesagt — für 1999 mit einem verbesserten Konzernergebnis zu rechnen sein. Die zu erwartenden positiven Ergebnisse in der Erstversicherung werden das aller Voraussicht nach rückläufige Ergebnis in der Rückversicherung und die sich abzeichnende steuerliche Mehrbelastung mehr als ausgleichen.

Unser Ergebnis für 1999 werden wir — wie angekündigt — erstmals auf Basis der International Accounting Standards publizieren.

Soviel zu unseren derzeitigen Erwartungen für den Geschäftsverlauf 1999. Im Rahmen dieses Ausblicks möchte ich noch auf zwei Themen eingehen, die die unmittelbare Zukunft betreffen:

Das sogenannte Millenniumthema bewegt uns in erster Linie als Rückversicherer von industriellem Geschäft; auf der Erstversicherungsseite ist es wegen der starken Ausrichtung unserer Konzerngesellschaften auf das Privatkundengeschäft dagegen kaum relevant.

Beim letzten vierstelligen Datumswechsel — vor 1000 Jahren — erwarteten größere Teile der Bevölkerung im Abendland den Weltuntergang — eine unzutreffende Schadenannahme, wie wir wissen. Auch diesmal kreisen um das "Schadenpotential" des Datumswechsels Spekulationen. Diesmal stehen allerdings Störungen älterer elektronischer Datenverarbeitung im Mittelpunkt. Die Schadenprognosen reichen von — völlig überzogenen — Quasi-Weltuntergangsszenarien bis zu — ebenso überzogenen — "Non-event"-Aussagen. Sicher ist allerdings, daß die Versicherungswirtschaft mit zusätzlichen Schadenbelastungen aus dem Datumssprung rechnen muß.

Wir haben unsere Kunden und uns gut vorbereitet. In einer Informationsoffensive hat die Münchener Rück alle ihre Zedenten weltweit vom Sommer 1997 an für die Probleme des Datumswechsels sensibilisiert. In Publikationen und Veranstaltungen haben wir sie über die Details der technischen und der versicherungstechnischen Probleme und vor allem über Maßnahmen zu ihrer Lösung informiert. In ungezählten Einzelgesprächen haben wir die Erstversicherer gebeten, uns ihre Methoden zur Problembewältigung zu erläutern. Nur dort, wo wir vom sachgerechten Umgang der Erstversicherer mit der Risikosituation überzeugt waren, haben wir die Rückversicherung fortgesetzt. Wir haben also durchaus mit Blick auf das "Millennium"-Risiko auch Verträge gekündigt.

Welche Versicherungssparten können vom Millenniumproblem betroffen sein?

In der Sachversicherung können durch fehlgesteuerte Produktionsanlagen Schäden an Maschinen und Gebäuden eintreten, beispielsweise durch Feuer und Explosion. Ausfallende Heizungen können auf der nördlichen Hemisphäre zu Frostschäden führen.

Die Transportversicherung ist betroffen, weil die Warenströme des Welthandels heutzutage weitgehend elektronisch gesteuert werden. Man denke an große Lagerhäuser in Seehäfen oder an Containerbahnhöfe. Fehlfunktionen in derartigen Steuerungen können zum Verlust verderblicher Waren durch Verspätungen oder gar durch Unauffindbarkeit führen.

In der Haftpflichtversicherung sind verschiedene Unterbranchen betroffen. Fehlgesteuerte Produktionsanlagen können Explosionen oder die Freisetzung von Schadstoffen verursachen und damit Schäden in der Nachbarschaft der Anlagen oder Umweltschäden herbeiführen. Soweit fehlende Sorgfalt des Managements die rechtzeitige Umstellung der Elektronik verhindert hat, kann auch die Haftpflichtversicherung der Firmenleitung, d. h. die D-&-O-Versicherung, mit Schäden belastet werden — bzw. bereits, ohne es zu wissen, belastet sein. Ähnliches gilt bei der Berufshaftpflichtversicherung der Softwareanbieter oder der Unternehmensberater.

In der Kreditversicherung entstehen Schäden, wenn es wegen Betriebsunterbrechungen durch fehlerhafte Computer zu Insolvenzen kommt.

Es ist naturgemäß schwierig, Anzahl und Höhe solcher Schäden verläßlich abzuschätzen. Allerdings haben alle EDV-Nutzer seit Beginn des elektronischen Zeitalters vielfältige Erfahrungen mit "ratlosen" Computern und "streikender" Elektronik sammeln können. Das Phänomen als solches ist also keineswegs neu; neu ist lediglich die allgemeine mehr oder weniger gleichzeitige Betroffenheit. Sicher werden Sie auch die Mitteilung der Bundesbank registriert haben: Sie hat sich dieser Tage sehr zufrieden geäußert, weil die internationalen Tests zur Jahrtausendtauglichkeit der Computersysteme in der deutschen Kreditwirtschaft reibungslos verlaufen sind

Gerade der Umstand, daß der Zeitpunkt der Exponierung seit langem bekannt ist, half und hilft, Gegenmaßnahmen zu planen und zu ergreifen. Wann ist man sonst in einer so günstigen Situation, daß man weiß, wann sich ein Risiko materialisiert? Wann sonst kann man eine solch gezielte Informationskampagne durchführen, wie wir dies zur Schadenverhütung getan haben?

Spielraum verschafft auch der Gregorianische Kalender — seinem Initiator sei Dank. Denn der 1. Januar 2000 fällt auf einen Samstag, der 2. Januar auf einen Sonntag. Der Sylvestertag — 31.Dezember 1999 — ist zudem weltweit als Bankfeiertag festgelegt. Viele industrielle und sonstige Anlagen und viele Menschen werden in weiten Teilen der Welt nicht arbeiten. Dies schafft Möglichkeiten zur kontinuierlichen Beobachtung und Kontrolle der ruhenden Anlagen und zu präziser Schadenvorbeugung aufgrund der Informationen, die aus in Betrieb befindlichen Anlagen zusammenlaufen. Insgesamt also: vielfältige Möglichkeiten zu planmäßigem Vorgehen.

Noch ein Weiteres kommt erleichternd hinzu: Im Unterschied zu Elementarereignissen, für die Leistungen kurzfristig zu erbringen sind, werden die vom Datumswechsel ausgelösten Schäden nicht alle konzentriert in einem Geschäftsjahr anfallen und entsprechend leichter verkraftbar sein.

Die Gesamtbelastung für die Münchener Rück — einschließlich der aus der Haftpflichtversicherung — wird nach unserer Einschätzung über die gesamte Zeitachse allenfalls in die Schadendimension eines größeren Elementarereignisses reichen.

Auf solche Ereignisse sind wir mit unserer auf Risikoausgleich angelegten Bestandsmischung und mit gezielten Vorsorgemaßnahmen bestens vorbereitet. Diese Gelassenheit verleitet uns natürlich nicht dazu, die Hände in den Schoß zu legen. Zur Zeit informieren wir unsere Kunden mit Publikationen und in Informationsveranstaltungen darüber, was sie und ihre gewerblichen und industriellen Kunden jetzt immer noch zur Schadenvorsorge tun können.

Meine Damen und Herren, ich komme nun zum angekündigten Zwischenstand in Sachen Asset-Management. Die Holding dieses neuen Geschäftsfeldes, die MEAG MUNICH ERGO AssetManagement GmbH, haben wir am 30. April hier in München aus der Taufe gehoben. Unter dieser Holding wird es nebeneinander drei Töchter geben: Die Direktanlagegesellschaft MEAG Securities Management GmbH und die MEAG Real Estate Management GmbH sind bereits installiert. Daneben entsteht als dritte Einheit die MEAG MUNICH ERGO Kapitalanlagegesellschaft.

Zu diesem Zweck wird — erstmals in Deutschland — eine Verschmelzung zweier existierender Kapitalanlagegesellschaften stattfinden, nämlich des Hamburg-Mannheimer Investment Trusts mit der VICTORIA KAG. Diese Verschmelzung wird formell im ersten Quartal 2000 erfolgen.

Die MEAG MUNICH ERGO AssetManagement GmbH hat das Ziel, eine der führenden Asset-Management-Gesellschaften zu werden und damit einen weiteren Geschäftsschwerpunkt im Münchener-Rück-Konzern zu bilden. Die MEAG wird alle Kapitalanlagearten betreiben: Aktien, Renten, Fonds, und zwar Publikums- und Spezialfonds, sowie Immobilien.

Wir verfolgen mit der MEAG zwei strategische Stoßrichtungen:

  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit aller Versicherungsunternehmen des Konzerns durch Maximierung des Ertragspotentials aus ihren Kapitalanlagen.
  • Erzielung zusätzlicher Erträge im Geschäftsfeld "Asset-Management für Dritte". Künftig sollen neben institutionellen Investoren auch verstärkt Privatanleger angesprochen werden, wobei der ERGO-Kundenstamm von über 15 Millionen Privatkunden und die Vertriebskanäle der ERGO-Gesellschaften ein großes Potential bieten.

Am Ende der Aufbauphase, im Jahre 2001, wird die MEAG in ihrer endgültigen Struktur voraussichtlich über 500 Mitarbeiter beschäftigen. Derzeit gibt es erst ein gutes Dutzend Mitarbeiter in der MEAG, doch schon bis zum Herbst, dem Zeitpunkt des operativen Starts, wird sich diese Zahl vervielfacht haben.

Die MEAG wird hier in München am Oskar-von-Miller-Ring 18 ihren Sitz haben. Das Gebäude im Zentrum der Stadt wurde bereits angemietet und wird derzeit renoviert. Dabei werden auch die Voraussetzungen für den Einbau einer hochmodernen IT-Infrastruktur geschaffen für neueste Frontoffice-Systeme als Kernstück und Grundlage immer besserer Investitionsentscheidungen.

Meine Damen und Herren, mit diesem Blick über den Bauzaun — hier entsteht ein Betrieb mit einem zu verwaltenden Vermögen von deutlich mehr als 200 Mrd. DM — bin ich am Ende meiner Ausführungen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Meine Kollegen und ich beantworten nun gern Ihre Fragen.

(Es gilt das gesprochene Wort.)