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27. Mai 2002

Pressemitteilung

Münchener Rück verstärkt ihr Profil auf dem Markt für alternativen Risikotransfer (ART) / Gründung der Munich-American Capital Markets

Die Münchener-Rück-Gruppe führt die bestehenden ART-Einheiten der Münchener Rück München und der American Reinsurance Corporation, Princeton, in der neu gegründeten Munich-American Capital Markets (MACM) zusammen. So stärkt sie ihre Position auf den alternativen Märkten angesichts der steigenden Nachfrage nach strukturierten Rückversicherungs- und Kapitalmarktlösungen.

Mit strukturierten Rückversicherungs- und Kapitalmarktlösungen trägt der Rückversicherer den besonderen Bedürfnissen seiner Kunden in Zeiten Rechnung, in denen die Handhabung komplexer Risikoexponierungen immer schwieriger wird. Solche Lösungen werden vor allem dann interessant, wenn konventionelle Ansätze allein nicht mehr ausreichen, um Cash-Flow, Ertragslage oder Bilanz gegen unerwartete Ereignisse umfassend zu schützen.

Der Zusammenschluss der bestehenden Einheiten zur MACM ermöglicht es der Münchener-Rück-Gruppe, das vorhandene Know-how zu bündeln und Synergien zu schaffen, um den Ertrag zu optimieren. Die neue Gesellschaft bringt die Gruppe ihrem Ziel näher, einer der weltweit führenden Finanzdienstleister auch bei alternativen Lösungen zu werden.

Die MACM ist nun innerhalb der Münchener-Rück-Gruppe das Kompetenzzentrum für die Akquisition, die Strukturierung (d. h. die kapitalmarktgerechte Aufbereitung von Risiken) und die Ausführung innovativer Kapitalmarktlösungen. Für Transaktionen in Form eines Finanzierungsvertrags verfügt sie über eigenes Kapital. Bei (Rück)versicherungsverträgen bedient sie sich der Kapazität der Münchener-Rück-Gruppe.

Die MACM wird ihren Hauptsitz in New York haben, aber innerhalb des Ressorts "Special and Financial Risks" der Münchener Rück München geführt. Die Leitung der MACM übernimmt Kenneth J. Bock als Managing Director. Clement Booth, im Vorstand der Münchener Rück München unter anderem verantwortlich für das Ressort Special and Financial Risks, ist Chairman des Board of Directors.


Beim ART wird versucht, eine Synthese zwischen Finanz- und Versicherungsgeschäften zu schaffen. Die im Bereich ART für das Management komplexer Risiken bestehenden Lösungsansätze sind vielfältig und weichen vom konventionellen Risikotransfer in der Versicherungs- oder der Finanzwirtschaft insofern ab, als Risiken beim ART zwischen Versicherungs- und Finanzmärkten ausgetauscht werden, wobei die aus den jeweiligen Märkten bekannten Instrumente und Techniken angewandt werden.

Die MACM sieht in ihrer strategischen Ausrichtung vor allem Geschäftspotenzial im Bereich Transfer von Risiken aus dem Finanz- auf den Versicherungsmarkt. Beispiele dafür sind strukturierte Kreditlösungen, bei denen Banken Kreditrisiken an den Versicherungsmarkt abgeben, um ihre Kapitalbasis zu optimieren, oder Wetterderivate, die es dem Versicherungsnehmer ermöglichen, sich gegen ungünstige Witterungsverhältnisse zu schützen. So kann sich z. B. der Betreiber einer Skistation gegen zu wenig Schneefall oder der Betreiber eines Windkraftwerks gegen zu wenig Wind absichern. Eine weitere Variante ist die gleichzeitige Abdeckung von Risiken, die sich auf der Aktiv- wie auch auf der Passivseite einer Unternehmensbilanz befinden. Durch eine sog. integrierte Risikomanagement-Lösung kann sich z. B. ein Versicherer gegen Verluste schützen, die durch den Eintritt eines Naturereignisses (Passivseite) bei gleichzeitigem Kursrückgang an den Wertpapierbörsen (Aktivseite) verursacht werden.

Das in der öffentlichkeit bekannteste Beispiel für ART ist hingegen der Transfer von Versicherungsrisiken auf den Finanzmarkt in Form einer Anleihe oder eines Derivats. Diese Form des Risikotransfers öffnet den (Rück)versicherern den Finanzmarkt als neue zusätzliche Quelle in Ergänzung zur traditionellen (Rück)versicherung, indem das vom Finanzmarktinvestor bereitgestellte Kapital als Haftungssumme dem Versicherungsnehmer zur Deckung eines im Voraus bestimmten, die Haftung auslösenden Ereignisses zur Verfügung steht. Die MACM sieht in diesem Bereich weniger Potenzial, da es für den Versicherungsnehmer auch im gegenwärtigen Umfeld wirtschaftlicher ist, sich Kapazität auf dem traditionelle (Rück)versicherungsmarkt zu beschaffen. Gründe dafür sind u. a. die hohen Prämien und Transaktionskosten, die durch den Risikotransfer auf den Kapitalmarkt entstehen.

Die Münchener-Rück-Gruppe ist schon seit längerer Zeit auf dem ART-Markt aktiv und arbeitet hier streng im Einklang mit den geltenden rechtlichen, steuerlichen und regulatorischen Normen. Zu den bekannten Transaktionen gehören die von Münchener Rück München (PRIME Capital) und American Re (Gold Eagle) gesponserten Katastrophenanleihen, sog. Cat-Bonds, über die Naturkatastrophenrisiken in den Kapitalmarkt transferiert wurden.