25. Januar 2001
Pressemitteilung
Naturkatastrophenbonds in Höhe von 300 Mio. US$ auf dem Kapitalmarkt platziert / Münchener Rück diversifiziert ihr Risikomanagement für US-amerikanische und europäische Spitzenrisiken
Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft hat zwei Katastrophenbonds
mit einem Volumen von insgesamt 300 Mio. US$ platziert. Es handelt sich um die
bisher größte Kapitalmarktdeckung gegen verschiedenartige Naturkatastrophenereignisse:
US-Hurrikane, Erdbeben in Kalifornien und Stürme in Europa. Um möglichst
hohe Transparenz und Objektivierbarkeit zu bieten, wurde für diese Paketdeckung
eine neuartige Struktur gewählt. Die Münchener Rück testet und
nutzt den Kapitalmarkt mit dieser Form der Risikodeckung erstmals. Sie erhält
mit dieser Platzierung zusätzliche Entlastung für den Fall einer "Superkatastrophe"
in Gebieten mit besonders hohem Schadenpotenzial.
Munich Re Capital Markets war für Strukturierung und Projektmanagement
verantwortlich. Die Risikoanalyse erstellte die in diesem Bereich spezialisierte
amerikanische Beratungsgesellschaft Risk Management Solutions (RMS). Die Investmentbanken
Goldman Sachs, Lehman Brothers und die zur Münchener-Rück-Gruppe zählende
American Re Securities Corporation platzierten diese einzigartigen Bonds; als
Konsortialführer agierte Goldman Sachs.
Das Jahr 1999 verursachte in der Naturkatastrophenversicherung erhebliche Verluste;
im Jahr 2000 stieg die Naturkatastrophenaktivität sogar weiter an, wobei
die versicherten Schäden jedoch zufallsbedingt zurückgingen. Die Platzierung
dieser speziellen Bonds bedeutet für die Münchener Rück einen
wichtigen Schritt zur Absicherung gegen Naturgefahren mit niedriger Eintrittswahrscheinlichkeit,
aber hohem Schadenausmaß in den USA und Europa. Die Münchener Rück
schafft sich so ein zusätzliches Risikomanagement-Instrument sowie feste
Konditionen für die Laufzeit von drei Jahren. Manfred Seitz, Mitglied der
Direktion und Leiter des Geschäftsbereichs "Alternativer Risikotransfer"
der Münchener Rück: "Die parametrisch definierte Struktur dieser
Transaktion sorgt für äußerste Objektivität. Das Konzept
spiegelt unser ausdrückliches Interesse wider, moderne Formen des Risikomanagements
voranzubringen, unsere Entlastungsabgaben zu diversifizieren und eine stabile
mehrjährige Deckung zu erhalten."
Die Risiken wurden von RMS unter Verwendung ihrer Hurrikan-, Erdbeben- und
europäischen Sturmmodelle analysiert und modelliert. RMS entwickelte in
Zusammenarbeit mit der Münchener Rück fünf neue Parameter zur
Definition der Schadenereignisse. Ob die parametrischen Voraussetzungen für
die Zahlungen aus den Bonds erfüllt sind, wird anhand von Messungen staatlicher
geologischer und meteorologischer Institute festgestellt.
So ist bei US-Hurrikan-Ereignissen das Unterschreiten bestimmter Luftdruckwerte
und das Eindringen in genau festgelegte Küstenabschnitte in den Großräumen
Miami und New York entscheidend. In den Großräumen San Franzisco
und Los Angeles sind für genau definierte Gebiete Erdbeben-Magnitudenwerte
festgelegt. Bei europäischen Sturmereignissen liegt ein gewichteter Indexwert
zu Grunde, der aus den Windgeschwindigkeiten bei 600 Wetterstationen in fünf
westeuropäischen Ländern berechnet wird; hierbei werden regionale
Unterschiede in der Versicherungsexponierung und Schadenanfälligkeit berücksichtigt.
Hemant Shah, Präsident von RMS: "Wir freuen uns, dass wir die Gelegenheit
hatten, die Münchener Rück bei dieser innovativen Transaktion zu unterstützen.
Dies sind die ersten parametrisch definierten Katastrophenbonds in den USA und
Europa; sie stellen damit einen wesentlichen Fortschritt in der Entwicklung
des Marktes für Katastrophenbonds dar."
Bei der Platzierung handelt es sich um die größte Emission von Katastrophenbonds
in den letzten beiden Jahren und um die größte derartige Transaktion
eines Rückversicherers überhaupt. "Die parametrisch definierten
Auslöser können generell als Modell für den Risikotransfer in
den Kapitalmarkt dienen", so Manfred Seitz. "Wir erwarten, dass sie
sich entsprechend durchsetzen und eine größere Standardisierung,
Akzeptanz und Liquidität im Markt für Katastrophenbonds fördern.
Wir hätten gerne einen noch höheren Betrag platziert, jedoch ist die
am Kapitalmarkt verfügbare Kapazität für Katastrophenrisiken
beschränkt."
Die Bonds wurden zu etwa gleichen Teilen bei einem breiten Investorenkreis
aus der Versicherungswirtschaft sowie aus anderen Kapitalmarktsegmenten wie
institutionellen Vermögensverwaltern, Pensionskassen, Hedge-Fonds und Banken
platziert; über 80 % gingen in den nordamerikanischen Markt. Beide Bonds
wurden von Standard & Poor's, Moody's und Fitch geratet; ihre
dreijährige Laufzeit begann am 1.1.2001. Die von PRIME Capital CalQuake
& EuroWind Ltd. herausgegebenen Wertpapiere werden mit 750 Basispunkten
über LIBOR, die der PRIME Capital Hurricane Ltd. mit 650 Basispunkten über
LIBOR verzinst.
Die Münchener Rück (www.munichre.com) ist weltweit die führende
Rückversicherungsgruppe mit derzeit mehr als 5000 Kunden in rund 150 Ländern.
Sie hat von Standard & Poor's, Moody's und A. M. Best die jeweils
besten Ratings erhalten. Munich Re Capital Markets ist innerhalb der Münchener
Rück eine Spezialeinheit für alternativen Risikotransfer, die intern
und extern Service bei der Strukturierung und Realisierung von Finanz- und Kapitalmarktprodukten
zur Verfügung stellt.