30. Mai 2000
Pressemitteilung
Münchener-Rück-Gruppe strebt Wachstum auf Märkten mit nachhaltigem Ertragspotenzial an / Beteiligungsabbau setzt Mittel zur Investition in Kernaktivitäten frei / Münchener-Rück-AG verdoppelt Dividende und erleichtert den Aktionären die Stimmrechtsausübung
Die Münchener-Rück-Gruppe rechnet für das laufende Geschäftsjahr 2000 mit einem Wachstum der Bruttobeitragseinnahmen um mehr als 1 Mrd. Euro auf 28,5 Mrd. Euro. Den Jahresüberschuss erwartet Vorstandsvorsitzender Dr. Hans-Jürgen Schinzler bei über 1,2 Mrd. Euro, also gut 10 % höher als 1999.
Um jeweils mindestens 10 % möchte die Gruppe den Gewinn nach Steuern auch in den kommenden Jahren steigern. Sie will ihre Stellung als führender Rückversicherer (Weltmarktanteil 10 %) stärken und auf allen wichtigen Märkten mit nachhaltigem Ertragspotenzial die erste oder zumindest die zweite Position besetzen. Innerhalb der Erstversicherungsaktivitäten ist die ERGO die Nummer 2 in Deutschland und mit DKV sowie D.A.S. jeweils die Nummer 1 auf dem europäischen Kranken- bzw. Rechtsschutzversicherungsmarkt. Die ERGO soll zu einer der bedeutenden Gruppen im euro-päischen Privatkundengeschäft ausgebaut werden, auch durch Akquisitionen. Die kürzlich gegründete MEAG hat den Auftrag, einer der besten Anbieter im AssetManagement zu werden.
In der Rückversicherung hatte die Münchener-Rück-Gruppe 1999 vor allem aus Naturkatastrophen überdurchschnittlich hohe Schäden, die sie in der Erstversicherung trotz erneut guter Entwicklung nicht wettmachen konnte. Das Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen auf Firmenwerte und Minderheitsanteilen sank auf 1,82 (Vj. 2,28) Mrd. Euro. Der Hauptversammlung der Münchener-Rück-AG am 19. Juli wird eine Dividende von 0,95 (Vj. 0,92) Euro vorgeschlagen, sodass die Aktionäre wegen des Aktiensplits vom Januar 1999 eine doppelt so hohe Auszahlung erwarten können. Ferner sollen die Anteilseigner ihre Gesellschaft zum Kauf eigener Aktien von bis zu 10 % des Grundkapitals ermächtigen. Ein weiterer Vorschlag zur Unternehmenssatzung sieht vor, den Namensaktionären die Ausübung ihrer Stimmrechte zu erleichtern, z. B. über Vollmachtserteilung per Internet oder per Fax.
KONZERNSTRATEGIE BESTÄTIGT
Im - erstmals nach den IAS aufgestellten - Abschluss 1999 stiegen die konsolidierten Beitragseinnahmen insgesamt um 7,5 % auf 27,4 Mrd. Euro. Die Münchener-Rück-Gruppe erwirtschaftete hieraus einen Jahresüberschuss von über 1,1 Mrd. Euro, obwohl eine ungewöhnliche Häufung von Naturereignissen in Gebieten mit hoher Versicherungsdichte das Jahr 1999 für die Rückversicherer der Gruppe zum schlechtesten seit Bestehen der Münchener Rück machte. Dies ging bei - wegen eines Sondereinflusses - halbiertem Steueraufwand fast spurlos am Konzernjahresüberschuss (Vj. 1,2 Mrd. Euro) vorbei, zumal die Erstversicherer der Gruppe sich gut weiterentwickelten. Schinzler: "Das schwierige Rückversicherungsjahr 1999 bestätigt erneut die Richtigkeit unserer Strategie, neben der Rückversicherung auch Erstversicherung zu betreiben. Künftig erwarten wir zusätzliche Impulse von unserer neuen Tochter, der MEAG. Sie soll die Renditen aus den Kapitalanlagen unserer Gesellschaften weiter optimieren und außerdem das Geschäft mit privaten und institutionellen Anlegern ausbauen."
RÜCKVERSICHERUNG
Zweistelliges Wachstum in Kranken, Leben und Unfall
Die Rückversicherer der Gruppe, deren Wachstum (um 8,6 % auf 15,4 Mrd. Euro) diesmal auch währungsbedingt etwas höher als das der Erstversicherer war, hatten mit Ausnahme der Technischen Versicherungen in allen Geschäftszweigen steigende Beitragseinnahmen. Am ausgeprägtesten war dies in Kranken (plus 62,8 % auf 578 Mio. Euro) mit kräftigen Impulsen vor allem in Asien, Lateinamerika und im Nahen Osten; besonders in den dicht besiedelten Ländern China und Indien wurde die Präsenz weiter verstärkt, auch durch langfristig angelegte Partnerschaften mit lokalen Versicherern. Das zweitstärkste Wachstum verzeichnete Leben, das größte Tätigkeitsgebiet in der Rückversicherung, mit plus 19,1 % auf annähernd 3,2 Mrd. Euro. In Deutschland spielte neben der durch die Steuerdiskussion geprägten Sondersituation des Jahres 1999 die verstärkte Nachfrage nach der Rückversicherung von Rentenportefeuilles eine Rolle. Außerdem profilierte sich die Gruppe, vor allem im Ausland, mit komplexen und sehr speziellen Rückversicherungslösungen, z. B. im Zusammenhang mit Fusionen und bei der Absicherung privater Pflegefallversicherungen. Leben und Kranken verzeichneten einen Anstieg der Beitragseinnahmen um insgesamt 24,3 % auf 3,7 Mrd. Euro.
In der Schaden- und Unfallversicherung stiegen die Beitragseinnahmen der Münchener-Rück-Rückversicherer um 4,4 % auf 11,6 Mrd. Euro. Die größten Versicherungszweige waren Feuer mit Beitragseinnahmen von 2,9 Mrd. Euro (+ 3,8 %), Kraftfahrt mit 2,6 Mrd. Euro (+ 3,5 %) und Haftpflicht mit 1,6 Mrd. Euro (+ 8,1 %). Eine zweistellige Zuwachsrate, erzielt vor allem im Auslandsgeschäft, verzeichnete aufgrund einer Sonderentwicklung Unfall (+ 14 % auf 1,1 Mrd. Euro). Die zahlreichen Naturkatastrophen des Berichtsjahres waren zwar jeweils nur mittelgroße Ereignisse, trafen jedoch - anders als in vielen Jahren zuvor - Länder mit größerer Versicherungsdichte. Solche Ereignisse, darunter der Hagelsturm in Sydney, die Erdbeben in der Türkei, auf Taiwan und in Griechenland sowie die Sturmereignisse in Nordamerika, in Japan sowie in Nord- und Mitteleuropa, belasteten die Rückversicherer der Gruppe mit mehr als 1,1 Mrd. (Vj. 400 Mio.) Euro. Damit hatte die Münchener Rück für die Naturkatastrophen 1999 höhere Beträge aufzuwenden als jemals zuvor in ihrer Geschichte. Die Schaden-Kosten-Quote stieg im Nichtlebens-Rückversicherungsgeschäft auf 118,9 (Vj. 105,7) %; der auf Naturkatastrophen entfallende Anteil war mit 10,7 %-Punkten mehr als dreimal so hoch wie im Durchschnitt der 90er-Jahre.
In der Rückversicherung ist Festigung und Ausbau der Marktführerschaft das Ziel
Die Aussichten des Rückversicherungsgeschäfts der Münchener-Rück-Gruppe sieht Schinzler positiv: "Von dem wettbewerbsbedingt unzureichenden Preisniveau aus geht es auf vielen Märkten allmählich nach oben. Vielen Anbietern weltweit ist das große Risiko- und Schadenpotenzial erst im schwierigen Rückversicherungsjahr 1999 wieder richtig bewusst geworden. Das werden wir nutzen."
Die Münchener Rück, in der Rückversicherung Risikoträger und Servicepartner für 5 000 Versicherungsgesellschaften in rund 150 Ländern, möchte auf allen wichtigen Märkten die erste oder zumindest die zweite Position besetzen. Solche Positionen nimmt sie bereits auf vielen Märkten in allen Teilen der Welt ein, so z. B. in Italien, in Skandinavien, in den Niederlanden, in Kanada und in Japan sowie auf ihrem Heimatmarkt Deutschland.
ERSTVERSICHERUNG
Umsatz und Gewinn steigen
Die Erstversicherer der Gruppe - also die ERGO-Gesellschaften sowie Karlsruher und Euro-päische Reiseversicherung - sind die Nummer 2 auf dem deutschen Markt. Ihre gesamten Beiträge stellen mit 13,5 Mrd. Euro (+ 6,5 %) 49 % des Konzernumsatzes; sie stammen zu 10 % aus dem Auslandsgeschäft, das um 19,6 % gewachsen ist.
Von den Beitragseinnahmen der Erstversicherungsgruppe entfallen mit 9,8 Mrd. Euro (+ 7,2 %) inzwischen 73 % auf Leben und Kranken. In diesen Zahlen enthalten sind die Beitragseinnahmen der drei Lebensversicherer mit 6,2 Mrd. Euro (+ 9,8 %) - Rang 2 auf dem deutschen Lebensversicherungsmarkt - sowie die der beiden Krankenversicherer mit 3,6 Mrd. Euro (+ 3,1 %). Im In- und Ausland betreuen die Krankenversicherer der ERGO, die ihre Marktführerschaft in Deutschland und in Europa weiter gefestigt haben, zusammen 4,8 Millio-nen Kunden. Die DKV als führendes Unternehmen treibt den Aufbau der privaten Krankenversicherung in Skandinavien voran und fördert über eine Repräsentanz die Aufnahme dieses Geschäfts in China.
Entgegen dem Markttrend gewachsen
Den Schaden- und Unfallversicherern der Münchener-Rück-Gruppe gelang es 1999 erneut, entgegen dem deutschen Markttrend (- 0,4 %) zu wachsen: Ihre Beitragseinnahmen stiegen um 4,7 % auf 3,7 Mrd. Euro, wovon 0,7 (0,5) Mrd. Euro aus dem Ausland stammen. In den Zahlen ist mit 0,7 Mrd. Euro die Rechtsschutzversicherung enthalten, in der die D.A.S. mit ihren Töchtern die Nummer 1 in Deutschland und in Europa ist.
ERGO: Schritt für Schritt ins europäische Ausland
Die ERGO - neben den bereits genannten DKV und D.A.S. gehören dazu Victoria und Hamburg-Mannheimer - hat 15 Millionen Versicherungsnehmer und bezieht rund 90 % der Bei-tragseinnahmen aus dem deutschen Privatkundengeschäft. Die börsennotierte Gruppe expandiert Schritt für Schritt ins Ausland. So wurden 1999 erworben in Polen die Compensa Leben und eine Beteiligung an der Compensa Sach, in den Niederlanden die ELVIA Leben und ein Krankenversicherer. Die ERGO ist auf 17 europäischen Märkten außerhalb Deutschlands vertreten; ihre ausländischen Töchter steuerten einen Umsatz von 1,2 (Vj. 1,0) Mrd. Euro bei. Im ersten Halbjahr 2000 hat die Münchener Rück in diesem Zusammenhang die Mehrheit an der Alten Leipziger Europa übernommen, die maßgebliche Beteiligungen an mehreren Versicherern auf den wachstumsstarken Märkten Zentral- und Osteuropas hält.
ASSET-MANAGEMENT
Münchener-Rück-Gruppe mit über 150 Mrd. Euro Kapitalanlagen
Die Kapitalanlagen der Konzerngesellschaften stiegen 1999 auf 150,9 Mrd. Euro (+ 10,9 %). Die Zusammensetzung hat sich strukturell nicht verändert; sie entspricht weiter den aus dem Versicherungsgeschäft resultierenden Anforderungen einer breiten Mischung und Streuung.
Das Ergebnis aus Kapitalanlagen nahm 1999 um 1 Mrd. Euro auf 9,5 Mrd. Euro (+12,5 %) zu. Die laufenden Erträge erhöhten sich auf 8,5 (Vj. 7,4) Mrd. Euro, während die Gewinne aus dem Abgang von Kapitalanlagen mit 1,7 Mrd. Euro praktisch unverändert waren. Die Abschreibungen auf Kapitalanlagen betrafen mit lediglich 176 (Vj. 199) Mio. Euro vor allem das Grundvermögen.
MEAG soll einer der besten Asset-Manager werden
Die Erträge langfristig zu sichern und zu steigern ist weiter oberste Maxime der Kapitalanlagestrategie der Münchener-Rück-Gruppe. Zu diesem Zweck haben Münchener Rück und ERGO 1999 die MEAG Munich ERGO AssetManagement GmbH als gemeinsame Tochter gegründet. Sie hat den Auftrag, einer der besten Anbieter auf dem viel versprechenden Gebiet des Asset-Managements zu werden, und visiert zwei Ziele an: Zum einen soll sie durch Zusammenfassung der Aktivitäten eine synergetische Verringerung der Kosten und durch weitere Professionalisierung der Kapitalanlage eine Erhöhung der Erträge herbeiführen. Zum anderen soll MEAG das große Drittkunden-Potenzial ausschöpfen, das sich z. B. aus den Ablaufleistungen der Lebensversicherer ergibt. Die über 17 500 Außendienstmitarbeiter der ERGO Versicherungsgruppe haben bereits jetzt neun Publikumsfonds im Angebot; weitere sechs sind in Vorbereitung. MEAG wendet sich außerdem an institutionelle Anleger, z. B. Vertragspartner der Münchener-Rück-Gruppe im Rückversicherungsgeschäft.
MÜNCHENER RÜCK / ALLIANZ
Die von Münchener Rück und Allianz beabsichtigte Reduzierung ihrer gegenseitigen Beteiligungen auf rund 20 % hat begonnen. Seit der Ankündigung am 4. Mai haben beide Unternehmen ihre Anteile auf etwas unter 25 % gesenkt. Die am 8. Mai bekannt gegebene, mehrfach überzeichnete Emission eines Exchangeable Bond der Münchener Rück auf Allianz-Aktien dient der Vorbereitung dieses Abbaus. Ferner ist beabsichtigt, dass die Münchener Rück im kommenden Jahr ihre Minderheitsbeteiligungen bei Bayerischer Versicherungsbank und Frankfurter an die Allianz veräußert. Die zu gegebener Zeit zufließenden Mittel will die Münchener Rück in den weiteren Ausbau ihrer Kernaktivitäten in Rückversicherung, Erstversicherung und Asset-Management investieren.
München, den 30.5.2000
Anlage:
Fakten zur Münchener-Rück-Grupp
Münchener-Rück-Gruppe 1999
Wichtige Kennzahlen (IAS)
| |
|
1999 Euro
|
Vorjahr Euro
|
Veränderung in %
|
| Bruttobeiträge |
Mrd. |
27,4 |
25,5 |
7,5 |
| Ergebnis vor Steuern |
Mio. |
1 701 |
2 171 |
-21,6 |
| Steuern |
Mio. |
383 |
791 |
-51,6 |
| Anteile Dritter am Ergebnis |
Mio. |
185 |
180 |
2,8 |
| Jahresüberschuss |
Mio. |
1 133 |
1 200 |
-5,6 |
| Kapitalanlagen |
Mrd. |
150,9 |
136,1 |
10,9 |
| Eigenkapital |
Mrd. |
18,5 |
16,2 |
14,2 |
| Versicherungstechnische Rückstellungen netto |
Mrd. |
123,5 |
110,8 |
11,4 |
| Mitarbeiter 31.12. |
|
33 245 |
32 280 |
3,0 |
Unsere Namensaktie
| |
|
1999 Euro
|
Vorjahr Euro
|
Veränderung in %
|
| Ergebnis je Aktie |
|
6,45 |
7,11* |
-9,3 |
| Dividende je Aktie |
|
0,95 |
0,92* |
3,3 |
| Ausschüttung |
Mio. |
168 |
81 |
106,4 |
| Kurs der Aktie zum 31.12. |
|
251,80 |
206,31* |
22,0 |
| Börsenwert der Münchener Rück zum 31.12. |
Mrd. |
44,5 |
36,1 |
23,4 |
* Unter Berücksichtigung des Aktiensplits im Januar 1999.
Bei ihrer Bewertung der Münchener Rück haben A.M. Best, Standard & Poor's und Moody's jeweils das bestmögliche Rating zuerkannt.