13. Oktober 1998

Aktionärsbrief

An die Aktionäre der Münchener Rück

38 % mehr Umsatz und 64 % höherer Gewinn - diese Steigerungsraten zeigen Ihnen den Erfolg der Münchener-Rück-Gruppe im Geschäftsjahr 1997/98. Die verbesserte Ertragslage schlägt sich im Ergebnis je Aktie nieder, das auf DM 19,42 gestiegen ist. Die erfreuliche Ergebnisentwicklung ermöglicht es, eine von DM 1,70 auf DM 1,80 erhöhte Dividende auszuschütten.

Auch in der Wertentwicklung der Münchener-Rück-Namensaktie spiegelt sich der Unternehmenserfolg wider: Der Börsenkurs stieg seit Anfang 1997 um fast 120 %. Die Münchener-Rück-Optionsscheine, deren Laufzeit im März 1998 endete, haben sich ebenfalls hervorragend entwickelt: Sie brachten in vier Jahren eine Rendite von rund 500 %.

In der Rückversicherung hat sich das Umfeld in den letzten Jahren stark verändert. Wir haben deshalb die Münchener Rück ebenfalls verändert: Sie ist zur Münchener-Rück-Gruppe geworden, in der Erst- und Rückversicherung etwa je zur Hälfte zum Umsatz beitragen.

Das Kerngeschäftsfeld der Münchener Rück ist und bleibt die Rückversicherung.

In zahlreichen Ländern und in vielen Versicherungszweigen sind wir - zum Teil seit Jahrzehnten - der Marktführer. Diese herausragende Stellung wollen wir auch in Zukunft behalten und ausbauen. Dabei haben wir uns mit immer größeren Konkurrenten auseinanderzusetzen. Als Rückversicherer wird mittel- und langfristig nur erfolgreich sein können, wer Dienstleistungen und Produkte anbietet, die der Kunde wirklich benötigt, die ihm einen Mehrwert verschaffen. Wir haben daher die Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen forciert, die den sich ändernden Kundenbedürfnissen gerecht werden. Dies gilt für den wachsenden Bedarf an umfassenden finanzwirtschaftlichen Konzepten, z. B. durch Finanzrückversicherung für Versicherungsunternehmen, und für den Bedarf an innovativen Deckungskonzepten auf den sogenannten alternativen Märkten; und dies gilt in den Bereichen, etwa der Lebens- und Krankenversicherung, wo privatwirtschaftliche Lösungen die staatlichen Sicherungssysteme ergänzen oder ersetzen können.

Auf den Entwicklungsmärkten müssen wir in erster Linie Vorleistungen erbringen. Die Investitionen, die wir hier tätigen wollen, sind erheblich. Früher Markteintritt, rechtzeitiges Erkennen der für uns wichtigen Kunden, Beratung und Service für diese Kunden, wenn auch vielleicht in anderer Ausprägung als auf den entwickelten Märkten - all dies wird uns mittelfristig auch auf diesen Märkten eine herausragende Position verschaffen.

In der Erstversicherung haben wir unsere Interessen durch die Zusammenführung der Münchener-Rück-Töchter HamburgMannheimer und DKV mit VICTORIA und D. A. S. zur ERGO wesentlich besser strukturiert.

Die gesellschaftsrechtliche Integration der ERGO-Gesellschaften wurde inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Damit ist der Grundstein zur künftigen Zusammenarbeit in der zweitgrößten Erstversicherungsgruppe Deutschlands gelegt. Die Börse hat unser Konzept sehr positiv bewertet: Innerhalb weniger Monate hat sich der Kurs der ehemaligen VICTORIA- und jetzigen ERGO-Aktie mehr als verdoppelt.

Unsere Mehrheitsbeteiligungen an der Karlsruher Leben, die ihren regionalen Schwerpunkt im südwestdeutschen Raum hat, und der Europäischen, die im speziellen Geschäftsfeld der Reiseversicherung führend in Europa ist, halten wir unverändert für attraktiv. Aus unterschiedlichen Gründen sehen wir bei beiden Unternehmen auf der Basis ihrer Selbständigkeit innerhalb des Münchener-Rück-Verbunds gute Entwicklungsmöglichkeiten.

Unsere Mehrheitsbeteiligung an der Berlinischen Lebensversicherung dagegen haben wir an die britische Versicherungsgruppe CGU verkauft. Wir waren zu der Überzeugung gelangt, daß die Berlinische in der neuen Partnerschaft besser vorankommen könne als bei einem Verbleib in der Münchener-Rück-Gruppe.

Die Rentabilität der Kapitalanlagen gewinnt in der Versicherungswirtschaft zunehmend an Bedeutung.

Um ihre Ertragskraft im Investmentbereich weiter zu stärken, wollen die Münchener-Rück-AG und die ERGO eine gemeinsame Asset-Management-Gesellschaft gründen. Die neue Gesellschaft soll Kapitalanlagen mit einem Marktwert von deutlich mehr als DM 200 Milliarden verwalten und damit zu den größten Asset-Management-Gesellschaften in Deutschland gehören.

In der Rückversicherung wie in der Erstversicherung sehen wir weiterhin gute Wachstums- und Ertragschancen.

Um sie gezielt wahrnehmen zu können, haben wir im Juli/August 1998 eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Sie bildete den Auftakt zu einer Reihe geplanter aktionärsfreundlicher Kapitalmaßnahmen, die u. a. die Aktienstruktur deutlich vereinfachen sollen. Unterschiedliche Kurse, Bezugsrechtsfragen oder Fragen nach der wirtschaftlichen Notwendigkeit einer Beibehaltung der Teileinzahlung werden bald der Vergangenheit angehören - und die Grundlagen für die Einführung der Stückaktie und die Umstellung auf den Euro werden geschaffen.

Insbesondere für ausländische Investoren wird damit eine leichtere Handelbarkeit unserer Aktien verbunden sein; für alle Aktionäre wird sich die Transparenz erhöhen. Dies sollte sich positiv auf die weitere Kursentwicklung unserer Aktie auswirken.

Am 1. Mai 1998 ist das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) in Kraft getreten. Es soll die Überwachung innerhalb der Unternehmen verbessern und mehr Transparenz für Aktionäre und Investoren bringen, z. B. durch eine Kapitalflußrechnung und einen Bericht über Risiken der künftigen Entwicklung. Wir haben den geänderten Vorschriften bereits im vorliegenden Jahres- und Konzernabschluß 1997/98 Rechnung getragen.

Sehr geehrte Aktionäre, immer neue Entwicklungen verändern fortdauernd unser Umfeld und haben Einfluß auf unser Geschäft. Wir wollen die Chancen, die sich auch daraus ergeben, nutzen, um den Wert Ihres Unternehmens weiter zu steigern.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Hans-Jürgen Schinzler

Vorsitzender des Vorstands

(aus dem Geschäftsbericht 1997/98)