03 Unsere Aktie
"Die Münchener Rück muss eine Aktiengesellschaft sein", beschließt unser Gründer Carl Thieme. Denn nur diese Rechtsform ermöglicht ihm, das nötige Garantiekapital bereit zu stellen. Mit 3000 Aktien geht er an den Start. Heute sind daraus rund 230 Millionen geworden: Geschichten aus dem bewegten Leben einer Aktie, die dieses Jahr 125 wird.
3 Millionen Mark Startkapital
Mit drei Millionen Mark Grundkapital, aufgeteilt in 3000 Aktien startet die Münchener Rück im April 1880 ihr Geschäft. 1000 Aktien zeichnet die Bank für Handel und Industrie, Berlin und Darmstadt, 1000 Klett & Co., 500 übernehmen Merck, Finck & Co. und je 100 die fünf Gründer Finck, Pemsel, von Schauss, Schmidt-Polex und Thieme. 40% des Grundkapitals wird eingezahlt, der Rest ist Risikoreserve. Zur Sicherheit hinterlegen die Aktionäre Solawechsel - eine Art Verpflichtung zur Zahlung der Gesamtsumme. Der Aktienbesitz ist streng kontrolliert. Jede Übertragung einer Aktie auf eine andere Person muss durch den Aufsichtsrat genehmigt werden. Ist er nicht einverstanden, kann er ohne Angabe von Gründen ablehnen.
1886 war der Geschäftsumfang bereits so gewachsen, dass das Grundkapital auf 4,8 Mio. Mark erhöht werden musste. Der Nennwert der Aktie wurde auf 1600 Mark angehoben, die eingezahlte Summe blieb gleich.
Der Börsengang
Am 21. März 1888 geht die Münchener Rück an die Börse - natürlich in München. Das Bankhaus Merck, Finck & Co. führt die Aktie zu einem Kurs von 700 Reichsmark ein. 1895 wird das Kapital auf 10 Mio. Mark erhöht, 1898 auf 20 Mio. Mark. Die Gesellschaft ist inzwischen so bekannt und angesehen, dass sie zusätzlich zu den 400 Mark Einzahlungsbetrag pro Aktie 1200 Mark Agio (Preisaufschlag auf den Nennwert) verlangen kann. Die Aktie wird zum "Börsenrenner": Ihr Kurs liegt am 2. Januar 1890 bei 990 Mark, zehn Jahre später bei 2435 Mark.
Die Dividenden können sich sehen lassen: Im ersten Jahr gibt es 4%, zehn Jahre später 7,5%, im Geschäftsjahr 1900/1901 liegt der Satz bei 20%. Und 1914 beschließt die Hauptversammlung eine Dividende von 40% auszuschütten.
Kriege, Krisen, Katastrophen
Der erste Weltkrieg bringt der Münchener Rück große Einbußen. Wir verlieren unser Geschäft in allen Gebieten der damaligen Kriegsgegner. Unser Kapital in diesen Staaten wird beschlagnahmt und nur von den USA später wieder zurückgegeben.
Über die Kursentwicklung zu dieser Zeit kann man leider nicht viel sagen, da die Börsen von Juli 1914 bis Dezember 1917 geschlossen sind. Erste verlässliche Zahlen liegen uns zum 31. Juli 1918 vor. Kurs: 2968 Mark.
Der zweite Weltkrieg trifft die Münchener Rück noch schwerer als der erste. Die Gesellschaft verliert Geschäft und Vermögen in den kriegsführenden und neutral gebliebenen Staaten sowie den deutschen Ostgebieten. Durch die Entwertung der Reichsmark, der deutschen Reichstitel und anderer deutscher Vermögensanlagen erleidet die Münchener Rück zusätzlich Verluste. Kursstand am 28. Dezember 1945: 275 Reichsmark.
Am 21. Juni 1948 kommt die D-Mark. Der Nennwert unserer Aktie wird auf 150 DM festgelegt. Der erste Kurswert, der uns vorliegt, ist vom 29. Dezember 1950 und liegt bei 59 DM. Erst 1956, nachdem das Wertpapierbereinigungsverfahren endlich abgeschlossen ist, werden die Aktionäre aufgefordert, ihre alten Reichsmark-Aktien-Urkunden gegen DM-Urkunden umzutauschen.
Auch große Schadenereignisse bringen unsere Aktie immer wieder in Bewegung. Bedeutsamstes Beispiel ist der 11. September 2001: Innerhalb von nicht einmal 24 Stunden nach dem Anschlag - noch niemand kennt Zahlen über das Schadenausmaß - fällt der Kurs von 285- auf 207 €. Das entspricht einem Marktwertverlust von 14 Milliarden. € - fast 30% unseres gesamten Marktwertes. Als wir am 12. September um 15 Uhr die ersten Schätzungen zur Gesamtbelastung der Münchener Rück bekannt geben, beruhigt sich die negative Stimmung bei Analysten und Investoren langsam. Unser Bereich Investor-Relations bleibt bis Ende September im 24-Stunden-Einsatz - dann hat der Kurs sein altes Niveau wieder erreicht.
Boom und Baisse
Mit dem Börsenboom erreicht die Aktie der Münchener Rück am 29. Dezember 2000 mit 381 € ihren Höchststand. Die lang anhaltende Baisse lässt sie im März 2003 auf 52 Euro sinken. Im März 2005 steht die Aktie auf dem Kursniveau vor dem Aktienboom. Es sind knapp 230 Millionen Münchener-Rück-Aktien in Umlauf, die von rund 180 000 Aktionären gehalten werden. Über 80% davon sind in Streubesitz - eine bedeutende Zahl für die Gewichtung unserer Aktie in verschiedenen Aktienindizes. Sie ist auch in den wichtigsten Nachhaltigkeitsindizes gelistet und wird heute als Wertpapier eines der weltweit anerkannten börsennotierten Unternehmen gehandelt, die Ökonomie und Ökologie nachhaltig in Einklang bringen.