01 Die Menschen der Münchener Rück
Bei der Münchener Rück zu arbeiten ist schon immer etwas Besonderes. Wir bieten Sicherheit und Perspektiven und fördern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Schon unser Gründer Carl Thieme gilt als einer der sozialpolitisch fortschrittlichsten Arbeitgeber seiner Zeit und prägt unsere Unternehmenskultur nachhaltig.
Arbeiten vor 125 Jahren
Ganz bescheiden geht es am Anfang zu: Die Mitarbeiter arbeiten an Stehpulten - bei Petroleumlicht und ohne Telefon. Man konzentriert sich auf die Arbeit, herumlaufen und miteinander reden sind unerwünscht. "Das Rauchen im Haus sowie Essen und Trinken während der Arbeitszeit ist, mit Ausnahme des Wassertrinkens an den dafür vorgesehenen Stellen, strengstens verboten. Wer während der Arbeitszeit Nahrungsmittel herbeischafft, wird sofort entlassen. Sportkleidung und benageltes Schuhwerk darf im Büro nicht getragen werden", so steht es in der Dienstordnung 1913.
Soziale Pioniertaten
So wie Carl Thieme Disziplin und Engagement fordert, versteht er es auch, seine Mitarbeiter zu motivieren. Er zahlt gut, besser als jede Bank. Jeden Tag gibt es ein kostenloses Frühstück. Das kostenlose Frühstück - jetzt Mittagessen - hat bis heute Tradition. Das Casino ist der Mitarbeitertreff. Verabredungen in sechs Monaten stehen bei manchem schon jetzt im Kalender.
Doch Thieme tut noch mehr: Ab 1885 gibt es Weihnachtsgeld, seit 1890 gelten die so genannten englischen Arbeitszeiten von 9 bis 16 Uhr. 1891 wird die Pensionskasse eingeführt. Ab 1905 steht jedem Mitarbeiter ein bezahlter Erholungsurlaub zu, den er seit 1939 auch gerne im firmeneigenen Ferienhaus am Schliersee verbringen kann. Thieme entwickelt ein Beschaffungsprogramm für Familienhäuser. Er greift sogar einmal zum privaten Scheckheft, um einem Mitarbeiter auszuhelfen. Das gibt es heute noch, allerdings als offizielles Firmendarlehen.
Gut gemeinte Flops
So mancher hat sich vielleicht schon gefragt, wofür wohl ein Pavillon im Garten des Hauptgebäudes am Sitz der Münchener Rück in München gut ist. In den 20er-Jahren wird über ein Rohrleitungssystem Frischluft mit Rosenduft in die Büros geblasen. Allerdings nur für ein paar Stunden. Denn nicht der Sauerstoff, sondern herumfliegendes Papier bringt den Kreislauf in Schwung. Investition: 100 000 Goldmark.
Frischluft tankt man doch am besten beim Sport. Deshalb sponsert Thieme mit einmalig 70 Mark eine Skiausrüstung für interessierte Mitarbeiter und bezahlt sonntägliche Ausflüge innerhalb Bayerns. Doch bei einem Alimenteprozess kommt heraus, dass - statt Ski zu fahren - gezockt und getrunken wird. Diese "Sport-Förderung" wird sofort eingestellt.
Die ersten Frauen
Nach rund 350 Männern werden 1913 die ersten Frauen eingestellt. Die weiblichen Mitarbeiter haben es anfangs nicht leicht: Sie bekommen weniger Gehalt, während der Wirtschaftskrise wird es den besser verdienenden Frauen gekürzt, den Herren nicht. Kurze Zeit gilt sogar die Regelung, dass Frauen, wenn sie heiraten, aus dem Unternehmen und aus der Pensionskasse austreten müssen. Heute sieht das Bild ganz anders aus. Ende 2003 sind 46 % der Mitarbeiter weiblich, in den jüngeren Jahrgängen dominieren sogar die Frauen.
Fluktuationsquote = 0
"Freiwillig ging niemand bei der Münchener Rück", so ein Personalchef der ersten Stunde. Dementsprechend schwierig ist es, einen Job zu bekommen. Um die Jahrhundertwende überschlagen sich die Höflichkeitsfloskeln in den Bewerbungsschreiben: "Der ehrerbietig gehorsam Unterzeichnete wagt an die hohe Direktion ein ehrerbietiges Gesuch um Aufnahme in den Dienst der Münchener-Rückversicherungs-Bank zu stellen ..." Wahrscheinlich bekommt dieser Bewerber nicht wegen des falschen Firmennamens eine Absage, sondern weil es bis 1955 nur gut 20 vakante Stellen pro Jahr gibt. Und auch damals schon war eine Empfehlung Gold wert.
Lange Zeit möchte die Münchener Rück keine Lehrlinge einstellen. Man ist überzeugt, dass man für das komplexe Rückversicherungsgeschäft erfahrene Mitarbeiter benötigt. Erst nach dem 2. Weltkrieg - Fachpersonal ist rar - wird ein "Testlehrling" eingestellt und der macht sich prima. Bald bildete man statt eines schon vier Lehrlinge pro Jahr aus. Gehalt im ersten Ausbildungsjahr: 80 Mark. Heute werden jährlich rund 20 Ausbildungsplätze angeboten. Und wem das Versicherungsgeschäft nicht so liegt, kann bei uns auch Koch lernen.
Unser Personalbedarf war in den letzten Jahren außerordentlich hoch. Allein von 2000 bis 2003 stieg die Mitarbeiterzahl um rund 30 %. Um die Zukunft unseres Unternehmens zu sichern, betreiben wir Ausbildungs- und Hochschulmarketing und setzen gezielt Instrumente zur Personalentwicklung ein. Wir sind stolz darauf, dass unsere Mitarbeiter ebenso viel Wert auf Kontinuität legen wie wir. So liegt die Fluktuationsquote auch nach 125 Jahren lediglich bei 1,2 % und damit weit unter dem Durchschnitt.